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Breitband in Deutschland – wie groß sind die Lücken?
29.08.2008
Wie gut – oder wie schlecht – ist die Breitband-Versorgung in Deutschland? Glaubt man der Zwischenbilanz der Bundesregierung, die vor kurzem veröffentlicht wurde, hat es erhebliche Fortschritte bei der Schließung von Versorgungslücken gegeben. Derzeit seien nur noch 615 Gemeinden oder knapp 816.000 Haushalte ohne Breitbandanschluss, heißt es in dem so genannten Breitbandatlas.
Allein im zweiten Halbjahr 2007 wurden laut Regierung 273 Gemeinden an das Breitbandnetz angeschlossen. Inzwischen sind erste Zweifel an der optimistischen Statistik laut geworden: Die Initiative gegen digitale Spaltung „geteilt.de“ wies darauf hin, dass etliche ihrer 2.700 Mitglieder den eigenen Wohnort nicht in der Liste der 615 unversorgten Gemeinden finden könnten – obwohl dort keinerlei Breitbandversorgung existiert.
Nur noch 615 unversorgte Gemeinden
Bernd Rudolph, der Pressesprecher der Initiative, verweist auf wesentlich höhere Zahlen. Noch im Frühjahr war die CDU-Bundestagsabgeordnete Martina Krogmann in einer Debatte von schätzungsweise 2.000 bis 2.500 unversorgten Kommunen ausgegangen. „Das sind ganz andere Zahlen als die der Bundesregierung“, kritisiert Rudolph. Den Breitbandatlas halte er für „unseriös, da die Zahlenbasis auf freiwilligen Angaben der Unternehmen beruhe“.
Breitband als Grundversorgung
Wiederholt forderte die Initiative, Breitbandzugänge zu einem Teil der Grundversorgung zu machen. Somit wäre der Staat verpflichtet, für eine flächendeckende Einrichtung von schnellen Internetzugängen zu sorgen. Unternehmen müssten ihre Gewinne anteilig in den Breitbandausbau in weniger attraktiven Gebieten investieren. Schließlich müsste die Bundesnetzagentur den Markt beobachten und genaue Bedarfszahlen erfassen. Die Bundesregierung hat dieses Modell in ihrer Zwischenbilanz abgelehnt. Stattdessen möchte die Regierung den weiteren Ausbau durch Fördermittel vorantreiben sowie Alternativmodelle unterstützen: Beispielsweise sei laut Zwischenbericht die Nutzung von Internet über Satellit oder Richtfunk im Gespräch. Schützenhilfe bekommt die Bundesregierung in diesem Punkt von der Interessengemeinschaft „kein-DSL“, die einen so genannten Schmalbandatlas im Netz bereitstellt. Auch hier ist man der Meinung, dass Versorgungslücken nicht schneller geschlossen werden, wenn Breitband zu einer Universaldienstleistung erklärt wird. Trotz der massiven Kritik stehe man in Deutschland europaweit nicht so schlecht da, was die Breitbandversorgung angehe, so die Aussage von „kein-DSL“. Außerdem befinde sich Deutschland mitten im Breitbandausbau, heißt es bei der Interessengemeinschaft weiter, die Zahl der Zugänge wachse erheblich.
Die nächste Aktualisierung des Breitbandatlasses im Jahr 2009 wird sicherlich spannend werden: Dann nämlich müssten UMTS-Anschlüsse ohne HSDPA-Aufrüstung aus der Statistik heraus fallen, weil die Bundesregierung künftig ein Megabit pro Sekunde als Mindest-Übertragungsstandard einstuft. Nur für die Einrichtung von Internetzugängen mit einer solchen Mindest-Bandbreite sollen in Zukunft Fördermittel bereitgestellt werden. Bisher sind Orte mit einfachem UMTS, also mit Downstream-Raten von 384 Kilobit pro Sekunde als versorgte Gebiete gelistet.
Autor: FN
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