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Wann kommt LTE?
28.05.2008
Auf dem gerade zu Ende gegangenen LTE World Summit in Berlin wurde die Zukunft der mobilen Breitbandtechnologie, die irgendwann UMTS ablösen soll, heiß diskutiert. Insgesamt nahmen an der Veranstaltung 250 Teilnehmer aus namhaften Unternehmen teil.
Als Fazit des weltweit größten LTE-Kongresses kann man festhalten, dass die Experten von aussichtsreichen Möglichkeiten und Vorteilen gegenüber jetzigen Standards sprechen, dass allerdings noch nicht absehbar sei, wann LTE die GSM- bzw.- UMTS-Technologien tatsächlich ablösen werde.
LTE: Kein Standard, aber erste Tests
Einen Hinweis darauf, wie sehr die Mobilfunker auf die Verbesserung der Breitband-Kapazitäten in ihren Netzen drängen und das Allheilmittel LTE in den Markt pushen wollen, erhielt man bereits im Rahmen der Rede von Adrian Scrase, Chief Technical Officer des Europäischen Institutes für Telekommunikationsnormen (ETSI): „Das ist die schnellste Entwicklung eine Mobilfunkstandards, die es jemals gab.“
Obwohl LTE noch nicht standardisierte wurde, laufen bereits erste Feldversuche in mehreren Städten, bei denen die maximal erreichbaren Übertragungsraten gemessen werden. Der Koordinations-Zeitplan sieht allerdings vor, dass LTE (Long Term Evolution) bis Ende 2008 im neuen Industriestandard 3GPP Release 8 festgelegt und genau definiert werden soll.
LTE-Wachablösung kommt nicht von heut auf morgen
Der Netzwerkexperte von T-Mobile, Klaus Jürgen Krath, wies im Rahmen seines Vortrages darauf hin, dass vor allen Dingen die zunehmende Nutzung des mobilen Internets, die Einführung schneller mobiler Breitbandlösungen erfordere. Der zunehmende Datenverkehr sei einerseits der Schlüssel für ein erfolgreiches Wachstum der mobilen Breitband-Industrie, andrerseits stelle die steigende Nutzung des mobilen Internets eine große Herausforderung für die Mobilfunker dar, weil dementsprechend immer größere Breitband-Kapazitäten bereit gestellt werden müssten.
Dass die LTE-Technologie die Kapazitäten im mobilen Breitband-Bereich beflügeln würde steht außer Frage. Durch die Funktechnik MIMO (Multiple Input Multiple Output) und das neue Modulationsverfahren OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplex) können mit LTE zehnmal mehr Handys an einem Standort mit Breitband-Internet versorgt werden als mit UMTS. Man könne laut Krath aber davon ausgehen, dass selbst GSM vor 2020 nicht abgeschaltet werde.
Niedrige Kosten durch LTE-Technologie
Betrachtet man eine bereits im April 2008 veröffentlichte Studie des Marktforschungsinstituts iSuppli zur Internet-Nutzung der iPhone-Kunden so offenbart sich das zukünftige Problem der Mobilfunker: Aufgrund der massiven Internetnutzung im Rahmen von Flatrate-Angeboten senken bei den Mobilfunkunternehmen die Gewinnmargen wesentlich.
Der Netzwerkexperte Krath ist in diesem Zusammenhang der Ansicht, dass die Netzbetreiber gezwungen sind ihre Produktionskosten radikal zu senken, damit ihre Gewinnspannen nicht völlig aufgefressen werden.
LTE ist dabei die Technologie von der sich viele große Einsparpotentiale erhoffen. „Die Kosten pro Bit sind für die Netzbetreiber vier bis zehnmal geringer als bei HSDPA", erkläutert Paul Steinberg, Netzwerkarchitekt bei Motorola. „Man kann mehr Traffic über das selbe Funkspektrum abwickeln."
Nachfolge-Krieg: LTE kontra WiMAX
Die Expertenrunde des LTE World Summit war sich in einem Punkt einig: Einen Technologiekrieg bei zukünftigen Breitband-Standards zwischen LTE und WiMAX möchten alle vermeiden.
Man habe gesehen, dass dies in der Vergangenheit stets zu Problemen geführt habe, die teilweise bis heute andauern. So ist die weltweite Nutzung von 3G-Handys in erster Linie daran gescheitert, dass in Amerika der CDMA-Standard und in Europa der UMTS-Standard gepusht wurde.
Kampf um freie TV-Frequenzen entbrannt
Die meisten Frequenzen, die LTE benutzen könnte, sind bereits belegt. Bei 2,1 Gigahertz sendet UMTS und es bleibt kein Platz für LTE. 1800 und 900 Megahertz sind in Europa für GSM reserviert.
Der Frequenz-Experte von E-Plus, Michael Krämer, deutete in seinem Vortrag darauf hin, dass durch die Abschaltung des Analogfernsehens frei werdende TV-Frequenzen in Zukunft eine große Rolle spielen könnten, da die Investitionskosten im niedrigen Frequenzbereich bei einer landesweiten Abdeckung mit Mobilfunk-Internet wesentlich geringer seien als bei 2 Gigahertz.
„Wir müssen dieses Spektrum bekommen!“, sagt Erik Stilling, Netzmanager des dänischen Mobilfunkanbieters Telia. „Wenn die anderen es kriegen, werden sie langfristig siegen.“
Autor: MN
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