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Mehr Geld mit schnellerem mobilem Internet
31.12.2010
Mehr Geld dank schnellerem Internet: Der mobile Datenfunk soll mit LTE mehr Umsätze bringen - erst einmal den Netzausrüstern, dann den Mobilfunkbetreibern. Und womöglich kann davon die ganze Wirtschaft profitieren.
Fest steht: Mit LTE werden die deutschen Mobilfunkbetreiber erst einmal mehr und schneller Geld machen können, als mit der Mobilfunktechnik UMTS. Dafür gibt es vor allen Dingen einen Grund - sie haben aus den eigenen großen Fehlern beim Aufbau der UMTS-Netze gelernt.
Der mobile Datenfunk wächst und wächst und wächst…
Ob Resultate oder Prognosen, der Trend ist eindeutig: Beim mobilen Datenfunk steigen die Umsätze. Die Telekom vermeldet fürs 3. Quartal 2010 bei den mobilen Datenumsätzen des Gesamtkonzerns eine Steigerung um 26 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Der Umsatz allein im deutschen Mobilfunkgeschäft stieg im dritten Quartal 2010 um 2,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, Wachstumstreiber waren die Datenumsätze, sie stiegen um knapp 27 Prozent. Auch bei den Geräten für mobilen Datenfunk herrscht starke Nachfrage: 53 Prozent der von der Telekom verkauften Endgeräte sind Smartphones, mit denen man gleichermaßen telefonieren und verschiedene mobile Internet-Dienste nutzen kann.
Solches Wachstum beflügelt die Phantasie der Börsen-Prognostiker. Nach Jahren der Flaute bringe die neue LTE-Technik frischen Wind in die Branche, so meinen die Analytiker der Financial Times Deutschland und riefen schon mal den „Beginn einer neuen Mobilfunkära“ aus - der wird in der Branche von wechselnden Marketingabteilungen allerdings im Quartalstakt angekündigt.
Die Branche lernt aus den Fehlern beim UMTS-Aufbau
Richtig ist: Mit dem LTE-Standard haben die deutschen Mobilfunkbetreiber die Chance, schneller Gewinn zu machen als mit der Vorgängertechnologie UMTS - weil sie bei dessen Einführung bisher deutlich weniger Fehler machen.
Vor zehn Jahren ersteigerten die Mobilfunkbetreiber UMTS-Lizenzen und gebärdeten sich dabei, als ob es kein Morgen gäbe: 50 Milliarden legten sie am Ende hin, bei zwei der Mitstreiter reichte das Geld dann nicht mehr für den Netzaufbau, sie mussten die Lizenzen zurückgeben. 50 Milliarden Euro für UMTS-Lizenzen: pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland zahlte jeder Mobilfunkbetreiber damit rund 620 Euro allein für das Recht, ein UMTS-Netz aufzubauen – die Milliardenkosten für den Netzaufbau selbst sind da noch nicht eingerechnet. Aber zehn Jahre danach nehmen die Mobilfunkbetreiber pro Kunde im Jahr etwa 180 Euro ein – als Erlös, nicht als Gewinn. Diese Zahlen zeigen, wie schwer es für die Mobilfunker war und ist, mit UMTS Gewinne zu machen.
Bei LTE hat man daraus gelernt: Statt fünfzig Milliarden gab es mit 4,4 Milliarden bei der Versteigerung der LTE-Frequenzen noch nicht einmal ein Zehntel der Summe, die man noch für die UMTS-Lizenzen hingeblättert hatte. Während bei UMTS alle so schnell wie möglich dabei sein wollten, fahren die Netzbetreiber bei LTE durchaus unterschiedliche Strategien im Aufbau der schnellen Netze: Derzeit liefern sich Vodafone und die Telekom ein Wettrennen um den schnellsten LTE-Ausbau, O2 lässt erste Probanden LTE testen. E-Plus verzichtet einstweilen komplett auf LTE und will erst mal mit HSPA+-Technologien ein schnelleres Datennetz aufbauen.
Auch auf der Einnahmeseite soll es bei LTE künftig besser laufen, als mit UMTS. Bislang verkauft nur Vodafone erste LTE-Tarife. Die Preise der Vodafone-LTE-Tarife liegen deutlich über den UMTS-Datentarifen. Man kann die Prognose wagen, dass der Kunde in allen LTE-Netzen mehr für das Surfen zahlt, als er bisher von den UMTS-Netzen gewohnt war.
Schnelles Internet lässt die ganze Wirtschaft wachsen
Das schnelle mobile Internet wird immer mehr Kunden versorgen: im Jahr 2009 waren es weltweit 360 Millionen, im Jahr 2015 sollen es 3,4 Milliarden sein, so schätzt der schwedische Netzwerk-Ausrüster Ericsson. Die Aufrüstung auf LTE oder andere schnelle Datenfunktechnologien sorgt erst einmal für mehr Einnahmen bei den Netzwerkausrüstern wie Ericsson und dann bei den Mobilfunkbetreibern selbst.
Davon kann auch die ganze Wirtschaft profitieren. Schon bei dem Ausbau des schnellen Internet per Kabel wuchs die Wirtschaft dank der schnellen Netze, so zeigt eine Studie des Münchener ifo-Institutes aus dem Jahr 2009 mit dem Titel „Broadband Infrastructure and Economic Growth“ (Breitband-Infrastruktur und Wirtschaftswachstum).
Die Einführung des schnellen Internet per Kabel sicherte demzufolge ein Wachstum von 2,7 bis 3,9 Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung. Nahm der Anteil der Breitbandanschlüsse in der Bevölkerung um zehn Prozent zu, wuchs das Bruttoinlandsprodukt jeweils um 0,9 bis 1,5 Prozent. Da liegt die Vermutung nahe, dass auch die neue Generation von schnellen mobilen Internetanschlüssen das Wachstum der Wirtschaft antreiben kann.
Autor: ET
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