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„connect“-Netztest 2010: Vodafone erster, O2 zweiter
05.11.2010
Überraschung beim großen Connect-Netztest 2010: O2 hat – nach dem Testsieger Vodafone - das zweitbeste Mobilfunknetz in Deutschland; die Telekom landet auf Platz drei. E-Plus ist beim Telefonieren den drei Mitbewerbern praktisch ebenbürtig, doch beim Thema mobiles Internet liegt man abgeschlagen weit hinten, das ergab insgesamt den vierten Platz.
So sehen es jedenfalls die „connect“-Tester. Doch der Test hat - trotz einiger bemerkenswerter Verbesserungen - weiter methodische Schwächen: Beim Datenfunk wird die Versorgung der Städte zu stark gewichtet, beim Telefonieren wird die Qualität der Verbindung nicht stark genug bewertet. So gibt der Test zwar Aufschlüsse über Stärken und Schwächen der Bewerber. Aber die Rangfolge der Netzbetreiber in den Kategorien Telefonieren und Datentransfer ist für sich genommen wenig aufschlussreich.
Vodafone ist klarer Spitzenreiter
Vodafone hat in Sachen mobiles Surfen das beste Angebot, das schnelle Datennetz ist hier am dichtesten geknüpft: In der Stadt bekommt man in 91 Prozent aller Fälle eine Verbindung von über einem Megabit pro Sekunde, auf dem Land liegt die Quote bei 69 Prozent. Damit setzt sich Vodafone deutlich von den Mitbewerbern ab: Telekom bringt es auf 84 Prozent in der Stadt und 41 Prozent auf dem Land, O2 auf 83,5 Prozent in der Stadt und rund 53 Prozent auf dem Land. E-Plus landet mit 46 Prozent (Stadt) und 14 Prozent (Land) ganz weit hinten – vom angepeilten Ziel, mit HSPA+ das beste Datenfunknetz Deutschlands zu haben, ist man bei E-Plus noch sehr weit entfernt.
Eine nähere Betrachtung der dem Test zugrunde liegenden Daten zeigt auch: Telekom und O2 liegen im Bereich Datenübertragung dicht beieinander. Beim erfolgreichen Verbindungsaufbau liegt die Telekom zwar regelmäßig ein paar Prozentpunkte hinter O2, doch steht die Verbindung erst einmal ist man fast immer schneller - beim Webseitenaufruf ebenso beim Empfangen und Senden von E-Mails und beim Herunterladen von Daten. Nur beim Absenden von Daten hat O2 die Nase vorne in Sachen Geschwindigkeit. Wer also beispielsweise in einer Stadt mobil surfen will, hat bei Telekom nur minimal mehr Fehlversuche als bei O2 (2,6 gegenüber 1,4 Prozent) ist aber deutlich schneller: Drei Seiten aufzurufen braucht bei O2 insgesamt 18,1 Sekunden, Telekom schafft es in 12,7 Sekunden.
Die Stärken des „connect“-Tests
„connect“ hat beim Netztest 2010 im Vergleich zum Connect-Netztest 2009 einige Neuerungen eingeführt, welche den Aussagewert des Tests deutlich verbessern. Zum ersten wurde die Zahl der Messungen deutlich erhöht, diesmal sind es 65000 statt wie im Vorjahr 39000. Je mehr gemessen wird, desto beweiskräftiger ist das Ergebnis. Beim Telefonieren erstmals die Verbindungen von Handy zu Handy zu überprüfen ist eine sehr gute Idee – in der Praxis macht das einen guten Teil des Handy-Telefon-Verkehrs aus.
Sehr gut auch die Einführung der neuen Bewertungskategorien Anteil an Verbindungen mit Download-Geschwindigkeiten von über einem Megabit pro Sekunde für Stadt und Land: Hier sieht man, wie eng das schnelle Netz für Datenfunk bei den einzelnen Betreibern tatsächlich geknüpft ist.
Die Schwächen des „connect“-Tests
Leider gibt es auch bei diesem Test methodische Mängel. Beim mobilen Surfen wurden nicht die gleichen Surfsticks verwendet sondern „jeder Netzbetreiber wurde mit seinem hochwertigsten USB-Surfstick gemessen“, so „connect“. Das ist gleich in dreifacher Hinsicht fragwürdig. Zum ersten stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien die Güte der Surfsticks von den Testern beurteilt wurde. Die Unterschiede bei den Internet-Sticks können zum zweiten durchaus Einfluss auf das Testergebnis haben. Im Test aber geht es um die Qualität der Netze, nicht um die Qualität der Netze plus der von den Betreibern angebotenen Surfsticks. Drittens ist solch ein Verfahren auch praxisfern – in den schnellen Datennetzen der Mobilfunkbetreiber sind viele nicht mit den Sticks von Vodafone, O2, Telekom oder E-Plus unterwegs, sondern mit Sticks, die sie bei Providern wie Klarmobil oder im freien Handel gekauft haben oder mit Datenkarten unterschiedlicher Herkunft oder mit bereits in den Laptop eingebauten Modems.
Die zweite Schwäche beim Testen des Datenfunks ist die beinahe schon willkürlich anmutende Auswahl der Kategorien: Internet-Seitenaufruf, das Versenden und Empfangen von Emails sowie das Herunterladen und Verschicken von Dateien wurden nur in der Stadt bewertet. Nur bei der prozentualen Verfügbarkeit von Download-Geschwindigkeiten über einem Megabit pro Sekunde unterscheidet der Test zwischen Stadt und Land. Das bevorzugt Betreiber, die in der Stadt gut ausgebaute Netze haben und benachteiligt solche, die auf dem Land stärker sind.
Schwer verständlich erscheint auch, warum O2 zwar von allen vier Netzbetreibern den höchsten Anteil an schlechten Telefonverbindungen liefert und bei der Sprachqualität hinter T-Mobile und Vodafone landet - aber in der Kategorie Telefonieren dennoch als deutlicher Testsieger vom Platz geht. Hier scheint die Gewichtung der Faktoren Erfolgsrate beim Anrufen und Rufaufbauzeit einerseits sowie Sprachqualität andererseits nicht ganz zu stimmen.
Autor: ET
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