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Mobiles Internet: Der Medienmarkt wird neu aufgeteilt      

02.08.2010

Das mobile Internet ändert die Medienlandschaft nachhaltig: Deutsche Nutzer dieses Mediums verbringen heute sieben Stunden pro Woche im mobilen Internet, für das Lesen von Zeitungen verwenden sie nur noch viereinhalb Stunden, für Zeitschriften nur noch dreieinhalb. Neue Zahlen aus den USA zeigen den Trend: Wer das mobile Internet mit seinem Smartphone und den dazugehörigen Zusatzprogrammen - den sogenannten Apps - nutzt, der liest dafür weniger Zeitung und schaut weniger Fernsehen (ein Viertel weniger als die früher aufgewendete Zeit) und schaut auch weniger in ein Buch (minus ein Fünftel).

Das neue Verhalten der Konsumenten wird mittel- und langfristig neue Geschäftsmodelle mit sich bringen, so die von der Beratungsfirma Kirchner + Robrecht GmbH Management Consultants erstellte Studie Mobile Research Guide 2010. Etablierte Medien wie Zeitungen und Zeitschriften werden demzufolge neue Vertriebsformen einführen müssen. In den Bereichen standortbezogene Dienstleistungen, mobiles Bezahlen, mobiles Einkaufen und soziale Netzwerke wird es neue Anbieter sowie neue Vertriebs- und Vermarktungsformen für mobiles Internet geben.      

Die neuen Nutzer

Immer mehr Menschen kaufen sich ein Smartphone. Die handlichen Alleskönner sind  Multimediamaschine, Spielgerät, Taschencomputer und nebenbei auch noch Telefon in einem. Und sie sind das Gerät, mit dem man das Internet in der Hosentasche mit sich herumtragen kann. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 5,6 Millionen Smartphones verkauft, so der Bundesverband Informationswirtschaft Telekom und Neue Medien (BITKOM). Für das laufende Jahr 2010 erwartet BITKOM eine Steigerung der Verkaufszahlen um 47 Prozent auf 8,2 Millionen.

Auch weltweit sind die Smartphones auf dem Vormarsch: Von 139 Millionen verkaufte Stück im Jahr 2008 stieg die Verkaufszahl auf 172 Millionen im Jahr 2009, ein Plus von 24 Prozent.

Dazu kommt eine Vielzahl von anderen Geräten, mit denen man mobil online geht: In fünf Jahren wird daher das mobile Internet das heimische stationäre Internet am PC überholt haben, so sagen Experten voraus. Denn 2015 seien rund zehn Milliarden mobile Internetzugangsgeräte aktiv – nicht nur Smartphones und schmale PC-Tablets wie der iPad und die neuen Android-Tablets, die auf den Markt drängen, sondern auch allerlei Autoelektronik und internetfähige Handys.

Die Nutzung des mobilen Internet wird sich dabei nicht länger auf die klassische „Unterwegs-Situation“ beschränken – schon heute nutzen drei Viertel der mobilen Internetkunden diesen Zugang auch zu Hause. Und ebenfalls drei Viertel der mobilen Internetnutzer sind bereit für besondere Dienstleistungen auch zu zahlen. Zwei Drittel nennen zehn Euro als die Obergrenze. Gewünscht werden vor allem standortbezogene Dienstleistungen, aber auch Informationsdienste oder Zahlungssysteme, also die Nutzung des Smartphone als Kreditkarte.           

Das neue Angebot

Weltweit gab es Ende 2009 schätzungsweise 326 000 mobile Webseiten – also Seiten, die in ihrem  Aufbau für mobile Datengeräte wie das Smartphone beziehungsweise tragbare Geräte mit kleineren Bildschirmen konzipiert sind. Dazu kommen als zweite mobile Gattung die rund mobilen Apps – kleine Zusatzprogramme, die auf Smartphones oder Tablets heruntergeladen werden. Sie lagen Ende 2009 bei 180 000 insgesamt. Die Apps brauchen oft keine weitere Internetnutzung, sondern laufen selbständig auf dem mobilen Endgerät, ein klassisches Beispiel dafür sind Spiele.  

Die Schwerpunkte in beiden Gattungen sind deutlich: Bei mobilen Webseiten liegt er mit 20 Prozent auf Einkaufs- und Dienstleistungsangeboten, in Apples App-Laden für iPhone-Besitzer  macht diese Sparte nur 3,6 Prozent aus. Umgekehrt sind 18 Prozent der Apps für das iphone oder iPad Spiele, bei den mobilen Webseiten legt dieser Anteil bei 0,9 Prozent.

Noch gibt es sehr viele Möglichkeiten Produkte mobil zu vermarkten, die bislang nicht genutzt werden, so die Experten von Kirchner + Robrecht. Dabei sind längst Anwendungen am Markt die zeigen, wie man es machen kann: Ein Autokonzern bietet ein Spiel als App an, in dem ein bestimmtes Pkw-Modell im Mittelpunkt steht. Ein skandinavisches Möbelhaus bietet ein Zusatzprogramm, mit dem man - über ein Smartphone mit Kamera - die ins Auge gefassten  Möbel virtuell in der eigenen Wohnung platziert. Dann hat man schon mal auf dem Bildschirm des Smartphone einen Eindruck, wie es am Ende aussehen wird. Eine Pizza-Kette bietet ein App, mit dem man die eigene Pizza zusammenstellt und sie dann bei der nächstgelegenen Filiale bestellt.

Auch für die Printprodukte, die zunächst einmal im Kerngeschäft verlieren, gäbe es neue Chancen, so Kirchner + Robrecht: Da sind Kombiangebote für ein Print- und Digital-Abo mit Subventionen beim Smartphone und/oder beim mobilen Datentarif. Für die Printleser gibt es aktuelle und vertiefende Informationen zu einem Print-Thema online – am Ende des Artikels steht ein Pixelquadrat (ein sogenannter QR-Code), der führt per Kamerahandy zu der entsprechenden mobilen Informationsseite. Diese Form wird in Deutschland derzeit von der Tageszeitung „Welt kompakt“ genutzt. Möglich sind auch beliebige Kombinationen aus Abo, einem aktuellen Online-Nachrichtenangebot und Anbindungen  an externe Angebote wie beispielsweise soziale Internetzwerke.

Kirchner + Robrecht GmbH Management Consultants

Die Kirchner + Robrecht GmbH ist ein in Frankfurt ansässiges Beratungsunternehmen. Einer seiner Schwerpunkte liegt im Bereich IT und Internet. Als Projektbeispiele werden auf der Webseite der Firma beispielsweise IT-Strategien für einen Touristik-Konzern, Entwicklung des Bereiches Online und E-Business für einen Druckverlag oder die Neuorganisation des Anzeigenverkaufs einer Regionalzeitung genannt.

Zu den Kunden gehören aus dem Medienbereich die Verlagsgruppe Handelsblatt, die WAZ Mediengruppe oder die Gruner + Jahr AG. Weitere Kunden kommen aus den Branchen Touristik und Verkehr, IT und Online, Kirchliche Organisationen und Dienstleistungen.

Autor: ET

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