Mobiles Fernsehen

Die neue Datenfunktechnik LTE bietet so hohe Übertragungsgeschwindigkeiten, dass man künftig damit auf dem Laptop oder Tablet-PC Fernsehen kann.

Mobiles TV wurde lange propagiert, konnte sich aber bislang nicht am Massenmarkt durchsetzen. Nun könnten die Mobilfunkbetreiber auch diesen Service per LTE anbieten. Doch eins ist klar: Umsonst wird es mobiles Fernsehen nicht geben. Denn einen guten Empfang hat der Kunde nur, wenn die Netzbetreiber einem TV-Abonnenten im LTE-Netz eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit bei der Übertragung zusichern – oder anders gesagt einen Teil der Sendekapazität ihrer LTE-Netze für Fernsehübertragungen reservieren.

Die Technik ist schon da…

Mit solch einer Ausrüstung an Bord könnte ein Tablet-PC zur mobilen Multimedia-Zentrale aufgerüstet werden, mit der Bild und Ton in hoher Qualität an jedem beliebigen Standort per Internet empfangen und abgespielt werden können. Vorausgesetzt es gibt an dem Standort eine schnelle Datenverbindung, sei es über HSPA+, das in der nächsten Ausbaustufe 42 Megabit pro Sekunde Höchsttempo anbietet, sei es über LTE, das je Frequenz und Größe des Funkkanals zwischen 50 und 100 Mbit/s Höchstgeschwindigkeit schafft.

…doch an Funkkapazität mangelt es

 

Will man Filme in Echtzeit übers Internet übertragen braucht man derzeit mindestens ein Übertragungstempo von 2,5 Megabit pro Sekunde, sollen es hochauflösende Streifen sein 10 Megabit pro Sekunde. Das sind die technischen Vorgaben für eine einwandfreie Live-Übertragung. Wer also auf diesem Weg Fernsehen oder gar hochauflösendes Fernsehen anbieten will, wird dem Kunden diese Mindestgeschwindigkeiten garantieren müssen.

Das ist auch beim kabelgebundenen IP-TV der Deutschen Telekom nicht anders. Hier kommen die Fernsehbilder ebenfalls als Datenpakete übers Internet, allerdings per DSL-Leitung und nicht per Funk. Weil IP-TV von der Telekom noch mit weiteren Zusatzleistungen wie Internet und telefonieren verbunden ist, wird ein sogenannter DSL 16.000-Anschluss vorausgesetzt – also eine Leitung, die in der Praxis konstant rund 13 Mbit/s schafft.

Einstweilen wird es mobiles Fernsehen – und insbesondere hochauflösendes mobiles Fernsehen oder gar 3D-Fernsehen – per LTE also nicht für einen Massenmarkt geben: Die derzeitigen Funkkapazitäten reichen wohl kaum aus, um einer großen Anzahl von Kunden diese Mindestgeschwindigkeiten anzubieten. Denn es reicht ja nicht, sagen wir mal auf dem Kölner Domplatz so ein Tempo anzubieten – ein solcher Tarif ist erst interessant, wenn man ihn in allen deutschen Großstädten und Ballungsräumen offeriert.

Mobiles Fernsehen: Stand der Dinge und Perspektiven

Derzeit gibt es einige Angebote für mobiles Fernsehen auf Smartphones wie beispielsweise Liga total von der Telekom. Doch das ist bislang kein überwältigendes TV-Erlebnis: In der Anfangszeit gab es hier häufige Aussetzer bei Bild und Ton, als Fußballfan mag man so was nicht. Dann legte die Telekom bei der Übertragungskapazität drauf und hat dieses Problem behoben – es sei denn das Netz hat dort, wo Sie gerade sind, nicht genügend Kapazitäten. Dann muss man auch schon mal ins GSM-Netz ausweichen, Bild und Ton werden schlechter, so berichten Tester.

Wenn man unter mobilem Fernsehen ein Erlebnis versteht, das sich mit dem am heimischen TV zumindest annähernd vergleichen lässt, dann gibt es derzeit nur einen Weg: Ein Laptop mit einem Surfstick oder Funkmodem, das per DVB-T die regulär ausgestrahlten Fernsehsignale empfangen kann. Diese Art von Fernsehen ist weitgehend flächendeckend ausgebaut, allerdings bekommt man in vielen Regionen nur ein paar öffentlich-rechtliche Sender und nur in den Ballungsgebieten gibt es auch die Privaten.

Bis mobiles Fernsehen über LTE in vergleichbarer Form angeboten wird, wird noch viel Zeit ins Land gehen – erst einmal müssen die Netze weiträumig ausgebaut werden. Und womöglich kommt mobiles TV auch erst mit LTE Advanced so richtig in Schwung. Sicher ist nur eins: Wer so Fernsehen schaut, wird einen Zusatztarif zahlen müssen.