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iPhone 3G auf dem Prüfstand

18.07.2008

Das iPhone 3G steht in den Läden und löst mit seinem edlen Äußeren genau so wie mit seinen inneren Werten allerorten Bewunderung aus. Wie aber steht es um die Praxistauglichkeit der neuen Funktionen und wo liegen die Stärken (oder Schwächen) gegenüber dem ‚alten‘ iPhone im Detail?

Der folgende iPhone-Test stellt die Funktionen des neuen Apple-Handys vor und vergleicht die beiden iPhone-Versionen in den Bereichen, wo sich Alt und Neu unterscheiden.

Daten & Internet: iPhone 3G schneller

Bereits die erste Generation des iPhone brachte eine neue Dimension der mobilen Internetnutzung für den Handy-Nutzer. Dafür waren allerdings vor allem das revolutionäre Display und die intuitive Bedienung verantwortlich, die Surfgeschwindigkeit hingegen ließ zu wünschen übrig. Hier hat Apple nachgebessert und dem neuen iPhone ein UMTS-Modul spendiert. Gegenüber dem ersten iPhone mit EDGE verbessern sich die Zugriffs- und Downloadzeiten auf Internetseiten spürbar.

iPhone 3G Front & Profil

Apple selbst hatte vorab Tests durchgeführt, um die Vorteile von 3G-Downloads gegenüber EDGE genau festzuhalten und die Kalifornier kamen zu dem Ergebnis, dass Inhalte aus dem Internet im Schnitt doppelt so schnell auf dem iPhone 3G dargestellt werden. Tatsächlich erreicht das UMTS iPhone dank Unterstützung für HSDPA Category 8 – das ist die dritte Ausbaustufe des UMTS-Turbos – Downloadraten von bis zu 7,2 Mbit/s.

Obwohl EDGE mit maximal 234 Kbit/s nominell sogar 30x langsamer ist, gibt es mehrere Gründe dafür, warum das neue iPhone trotzdem nur rund 2x schnellere Surfgeschwindigkeit bietet. Zum einen erreicht das UMTS Netz des iPhone-Anbieters T-Mobile die  Maximalgeschwindigkeit von 7,2 Mbit/s gegenwärtig nur an sehr wenigen Orten in Deutschland. In der Praxis wird man auch in dem sehr gut ausgebauten HSDPA-Netz ‚nur‘ Downloadgeschwindigkeiten zwischen 1,5 und 3 Mbit/s erwarten dürfen. EDGE hingegen kommt auch in der Praxis näher an die theoretischen Höchstwerte heran. Zum anderen kommt es bei der Darstellungsgeschwindigkeit von Internetseiten nicht nur auf die reine Datenrate an. Mehrfach wurde die Vermutung geäußert, dass der Domain Name Server (DNS) des Providers die anfängliche Verbindung zu Internetseiten bei 3G und bei EDGE gleichermaßen (langsam) herstellt. Erhärtet wird diese Annahme durch die Tatsache, dass die meisten Internetseiten über die WLAN-Verbindung des iPhones deutlich schneller aufgebaut werden als über EDGE oder 3G.

In der Praxis ist der Geschwindigkeitsvorteil beim iPhone-Surfen mit 3G gegenüber EDGE immer dann am größten, wenn bilderlastige Internetseiten mit viel Inhalt dargestellt werden sollen. Bei schlanken Textseiten fällt die anfängliche Verzögerung beim Verbindungsaufbau mehr ins Gewicht und 3G hat dann aufgrund der relativ geringen Downloadmenge gar nicht die Zeit, seine höhere Datenrate richtig auszuspielen.

Neuer Akku stärker aber 3G-Modul des iPhone verbraucht mehr Strom

Der Einbau des 3G-Moduls war sicherlich die richtige Entscheidung, weil es die wichtigste Funktion des Apple-Smartphones – nämlich seine Internetfähigkeit – noch einmal deutlich verbessert. Das Telefonieren und Surfen über UMTS verbraucht aber deutlich mehr Strom als über EDGE. Es ist daher empfehlenswert, die Abschaltfunktion für das 3G-Modul oft zu nutzen, da UMTS in der Regel nicht immer benötigt wird.

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Dass der Akku des iPhone 3G gegenüber seinem Vorgänger etwas stärker ist, zeigt ein Vergleich der Akkulaufzeit des iPhone 3G mit abgeschaltetem UMTS-Modul mit der Akkulaufzeit beim alten Modell. Die Sprechzeit verbessert sich in der Praxis zwar nicht dramatisch, legt aber von knapp 6 Stunden auf gute 6 Stunden um immerhin einige Minuten zu.

Beim Telefonieren mit aktiviertem 3G geht dem iPhone bereits nach weniger als 5 Stunden die Puste aus. Das Internet-Surfen über UMTS verbraucht den Akku schon nach weniger als 3,5 Stunden, mit EDGE und deaktiviertem 3G ist immerhin eine dreiviertel Stunde mehr drin. WLAN ist zum Surfen nach wie vor die Verbindung der Wahl. Mit einer Batterielaufzeit von 6 Stunden und gleichzeitig dem mit Abstand flottesten Seitenaufbau surfen Hotspot-Nutzer schneller und länger als 3G- oder EDGE-Surfer.

Der Austausch des iPhone-Akkus kann nach wie vor nur durch den Händler erfolgen und ist neben den Zusatzkosten auch ein Nachteil bei der Flexibilität. Mit einem Ersatzakku könnte man dem Stromhunger des 3G-Moduls nämlich viel besser begegnen. Bei verbrauchtem Akku auf längeren Einsätzen wäre man nicht nur auf das Wiederaufladen beschränkt sondern könnte einfach den geladenen Zweitakku einsetzen und sein iPhone sofort weiterbenutzen.

GPS ist vorhanden, Navigation nur eingeschränkt möglich

Mit dem A-GPS-Empfänger, der als zweite große Neuerung im iPhone 3G verbaut wird, klappt die Ortung gegenüber dem ersten iPhone viel genauer. Das 'A' in 'A-GPS' steht für Assisted und bedeutet, dass die GPS-Daten mit Positionsinformationen umgebender Mobilfunkzellen und Daten von einem unterstützenden Server abgeglichen werden. Die Positionsbestimmung geht auf diese Weise nicht nur präziser sondern auch deutlich schneller vonstatten, bereits nach rund 10 Sekunden wird der eigene Standort in Google Maps sichtbar.

Google Maps auf dem iPhone 3G

Wer das neue iPhone als Navigationsgerät im Auto nutzen möchte braucht allerdings einen Beifahrer. Außer Google-Maps ist nämlich keine andere Navigations-Software auf dem iPhone 3G installiert, d.h. Navigations-Anweisungen können auch beim neuen iPhone nicht mit Sprachausgabe abgerufen werden. Ebenso muss man nach jedem Abbiegen manuell zur nächsten Anweisung springen, da das Apple-Handy dies nicht automatisch erledigt.

Nichtsdestotrotz bleibt Google-Maps in Kombination mit der Multitouch-Bedienung und neuem GPS eine der großen iPhone-Stärken. Bisher kann kein anderes Smartphone Positionsdaten so eindrucksvoll verarbeiten und visualisieren wie das Apple-Handy.

Übrigens kommt auch der Sicherheitsaspekt im Zusammenhang mit den anfallenden Ortungsdaten beim iPhone nicht zu kurz. Die A-GPS-Daten liegen hinter einer Art internen Firewall und müssen für jede Anwendung, die auf sie zugreifen will, getrennt freigegeben werden.

Erweiterung der E-Mail- und Unternehmens-Anwendungen

Die von Anfang an gute E-Mail-Funktion wurde nochmals aufgewertet. Jetzt ist es möglich, sich seine E-Mails im Push-Verfahren zustellen zu lassen, d.h. die Nachrichten kommen sofort nach dem Empfang im Mail-Konto auf das Handy und müssen nicht extra abgerufen werden.

Für viele Geschäftsleute weitaus wichtiger ist aber die Möglichkeit, Outlook-Kontakte, E-Mail und Kalenderdaten mit einem PC bzw. Exchange-Server zu synchronisieren. Ebenso ist es jetzt möglich, IPSec VPN Verbindungen aufzubauen und sich auch in ein WPA2-verschlüsseltes Unternehmens-WLAN einzubuchen.

Die Erweiterung der E-Mail- und Unternehmens-Funktionalität kommt aber nicht nur iPhone-3G-Besitzern zu Gute. Da diese Neuerungen nicht an die iPhone-Hardware gebunden sind, kommen auch iPhone-1-Nutzer nach einem Firmware-Upgrade auf Version 2.0 in den Genuss der neuen Features. Nach dem Upgrade kann das iPhone übrigens auch PowerPoint-Dokumente öffnen.

Musik-Funktion mit Verbesserungen im Detail

Bei der einem vollwertigen iPod nachempfundenen iPhone-Musik-Funktion gab es nicht viel zu verbessern. Lediglich die mitgelieferten Ohrhörer stießen auf ein geteiltes Echo und der nicht-standardisierte Anschluss verhinderte es, dass Musikfreunde ihren Lieblingskopfhörer an das iPhone anschließen konnten. Auch hier hat Apple nachgebessert, so dass der Kopfhöreranschluss im iPhone 3G jetzt für alle Stecker mit 3,5mm-Klinke zugänglich ist.

Ansonsten alles (wie) beim Alten?

In einigen Punkten war das erste iPhone revolutionär und in vielen anderen Bereichen gleich auf Anhieb so gut gelungen, dass der Hersteller bei der zweiten Version nicht nachbessern musste. Dazu zählen die Telefonie mit sehr guter Sprachwiedergabe und Freisprechfunktion, das für Handy-Verhältnisse riesige Display und die damit verbundene geniale Bedienung über die Multitouch-Oberfläche (Details zu den ursprünglichen Features kann man im iPhone EDGE Test von laptopkarten.de nachlesen).

Bei der Kamera hätte Apple ruhig eine Schippe drauflegen können, denn auch beim iPhone 3G müssen sich Knipser mit 2 Megapixeln begnügen und auf von anderen Handys bekannte Extras wie Videoaufnahmen, Zoom, Fotolicht, MMS und diverse Einstellmöglichkeiten verzichten.

Bei der Verarbeitung ist Apple von der Alu-Optik der ersten iPhone-Ausgabe abgekommen und fertigt die Gehäuse-Rückseite des iPhone 3G aus Plastik anstatt Aluminium. Das neue iPhone bringt damit 7 Gramm weniger auf die Waage und ist im Vergleich zum alten um rund einen Millimeter in Breite und Tiefe gewachsen.

Fazit: iPhone 3G eine Evolution aber keine Revolution

Einen Quantensprung, so wie man ihn beim ersten iPhone-Launch vor gut einem Jahr in der Handy-Welt vollbrachte, schaffte Apple mit der Einführung des iPhone 3G nicht. Dafür fallen die Neuerungen gegenüber der Vorgängerversion trotz UMTS und GPS zu moderat aus. Viele weitere Verbesserungen hat Apple indes nicht ins Gehäuse des iPhone 3G sondern in die neue Firmware 2.0 gepackt. Diese Vorgehensweise der Kalifornier ist erfreulich, da es die Investition der Erstkäufer schützt und auch frühere iPhone-Versionen auf lange Sicht voll einsatzfähig bleiben.

Mit dem aktuellen iPhone macht das mobile Surfen dank UMTS aber noch mehr Spaß und zusätzliche Navigations-Tools, die für das iPhone erwartet werden, dürften zusammen mit dem A-GPS-Empfänger zur absoluten Killerapplikation aufsteigen. Es bleibt festzuhalten, dass dem iPhone in seinen Paradedisziplinen kein anderes Handy auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Vielmehr ist der Abstand gerade im Bereich "Mobiles Internet" durch die UMTS- und HSDPA-Unterstützung noch größer geworden.

Autor: PN

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