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Vodafone: Breitband-Internet über TV-Frequenzen

22.08.2008

Etwa 10 Prozent der deutschen Verbraucher haben keinen Zugang zum schnellen Internet. Für Privatnutzer ist das ärgerlich, für Betriebe in den betroffenen Regionen kann das sogar lebensbedrohlich sein. Und für die Gemeinden bedeutet das oftmals eine weitere Verödung, weil Unternehmen abwandern und sich keine neuen Firmen mehr ansiedeln. Dabei ist die Lösung dieses Infrastruktur-Problems laut Vodafone-Chef Friedrich Joussen zum Greifen nahe.

Digitale Dividende“ heißt das Konzept, mit dem Vodafone die vom Daten-Highway abgeschnittenen Gebiete versorgen will: Bei der Digitalisierung des traditionellen Fernsehrundfunks (DVB-T) werden Funkfrequenzen frei, die sich gut für die Versorgung mit breitbandigem Internet eigenen. Die Vernetzung der bislang unterversorgten Regionen ließe sich schnell und relativ kostengünstig umsetzen, meinte Joussen vor kurzem in einem Interview mit der FAZ.

„Digitale Dividene“ kann DSL-Lücken schließen

Die schlechte Daten-Infrastruktur in vielen ländlichen Regionen Deutschlands sei eine schleichende Gefahr, sagte der Vodafone-Chef. Sollte sich die Situation nicht bald ändern, werde es über kurz oder klang "Standorte erster, zweiter und dritter Klasse in Deutschland geben", warnte Joussen. Bund, Länder und Industrie müssten eine "Allianz für Infrastruktur" bilden.

Die Nutzung der frei gewordenen TV-Frequenzen wird in der Branche seit geraumer Zeit diskutiert. Nun schickt sich Deutschlands zweitgrößter Mobilfunkprovider Vodafone an, Nägel mit Köpfen zu machen: "Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten", sagte Joussen gegenüber der FAZ. "Die Mobilfunkunternehmen erhalten bundesweit einen Teil des freien Frequenzspektrums und verpflichten sich im Gegenzug, diese Gebiete innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu versorgen". Dabei wolle Vodafone nichts geschenkt haben, man erwarte eine Versteigerung der Frequenzen wie bei WiMAX und UMTS auch. In die Versteigerungsbedingungen können dann detaillierte Verpflichtung aufgenommen werden. "Es braucht sich niemand auf mündliche Zusagen oder Versprechen verlassen, ich bin bereit, eine Verpflichtung abzugeben", so Joussens markige Worte.

Die Länder bremsen die Entwicklung aus

Dabei werden die Versteigerungserlöse laut Vodafone-Chef deutlich unter dem Milliarden-Niveau der UMTS-Frequenzen bleiben. Dennoch, der Netzausbau in den entsprechenden Gebieten wird wohl einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag erfordern, erwartet Joussen. Er sei zuversichtlich, "dass mindestens T-Mobile diesen Weg mitgehen wird". Wichtig sei für Vodafone und die anderen Unternehmen jetzt vor allem ein Signal, wie es weitergehen soll. "Wir brauchen Planungssicherheit, ob wir die Frequenzen bekommen oder nicht", sagte der Chef von Vodafone Deutschland.

Derweil lassen sich die Länder Zeit, eindeutige Signale zu setzen. "Medienpolitik ist hierzulande kompliziert", kritisierte Joussen die schleppende Vergabe der frei gewordenen TV-Frequenzen. "Die Struktur ist das Problem, nicht das Ziel. Die Länder sagen sich im Moment: Die Frequenzen sind eine Ressource, die wir verwalten können, und die geben wir zunächst einmal nicht ab", so die Einschätzung des Vodafone-Managers. Dies sei eine "Stilblüte des deutschen Föderalismus". Es sei zu befürchten, dass in den nächsten zwei Jahren von allein nichts passiere. Das wiederum würde dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden, mahnte Joussen. "Daher brauchen wir eine konzertierte Aktion der Politik unter der Regie des Bundes", so die Forderung des Vodafone-Chefs.

Autor: FN

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