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IT-Gipfel: Schwerpunkt Breitband-Ausbau

24.11.2008

Der dritte deutsche IT-Gipfel in Darmstadt stand ganz im Zeichen der Breitband-Versorgung. Rund 800 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten einen Tag lang ausgiebig über den aktuellen Stand und die Perspektiven der Breitband-Technologie in der Bundesrepublik.

Kanzlerin Angela Merkel stellte klar, dass sie Breitband-Internet „bis ins letzte Haus“ verfügbar machen wolle. Dieses Ziel habe etwas mit Lebensqualität zu tun und solle prinzipiell „in drei bis vier Jahren“ umgesetzt werden. Merkel betonte zudem, man brauche für die flächendeckende Breitband-Versorgung auch die Frequenzen aus der Digitalen Dividende. Wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Rande der Veranstaltung errechnete, könnten durch den verstärkten Einsatz moderner Informationstechnologien außerdem Zehntausende neue Stellen geschaffen werden.

Job-Motor Breitband-Internet

Die Job-Rechnung des BDI, die anlässlich des IT-Gipfels in der Bild-Zeitung veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass bis zu 250.000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten, wenn jeder dritte deutsche Haushalt einen breitbandigen Internet-Anschluss über das Glasfasernetz bekäme.

Beim Industrieverband ist man außerdem der Meinung, dass ein branchenweites Investitionsvolumen von 15 Milliarden Euro zusätzliche Umsätze in Höhe von 50 Milliarden Euro erzeugen würde. Der High-Speed-Datentransfer begünstige beispielsweise das Arbeiten von zuhause ebenso wie Video-Konferenzen oder die Übertragung vom medizinischen Daten. Schließlich könnten auch Milliardenbeträge eingespart werden durch intelligente Verkehrsleitsysteme oder automatisierte Verfahren in der öffentlichen Verwaltung, betont der BDI. 

Politiker fordern Neuverteilung der Digitalen Dividende 

„Wie China sein Straßennetz aufbaut, bauen wir unser Breitbandnetz aus“, sagte die Bundeskanzlerin mit Blick auf die aktuelle Finanzkrise. Dafür sei „gar nicht so viel Geld“ nötig, meinte Merkel, investitionsbereite TK-Unternehmen müssten aber „punktuelle Anreize“ bekommen. Die Kanzlerin sprach sich deutlich dafür aus, die mit der Digitalisierung freiwerdenden Rundfunkfrequenzen neu aufzuteilen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos stieß ins gleiche Horn und forderte die Landesrundfunkanstalten auf, die „gepachteten“ Frequenzen freizugeben. Diese Aussagen dürften weder bei den öffentlich-rechtlichen noch bei den privaten Fernsehsendern mit Begeisterung aufgenommen worden sein. Die Rundfunksender wollen die so genannte Digitale Dividende weiterhin für ihre eigenen Zwecke nutzen.

Zustimmung kam jedoch von den Telekommunikationsunternehmen: „Her mit dem Zeug“, scherzte Telekom-Chef Rene Obermann mit Blick auf die freiwerdenden Rundfunkfrequenzen. Allerdings sprach sich Obermann für eine „Rückverteilung“ aus, da der Staat der Telekommunikationsbranche schon bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen viel Geld entzogen habe. Der Investitionsbedarf zur Aufrüstung der Netzinfrastrukturen sei weiterhin enorm hoch, gab der Telekom-Chef zu bedenken: 40 bis 50 Milliarden Euro würden in den nächsten zehn bis 15 Jahren gebraucht. Die aktuelle Kupferkabeltechnik stoße an ihre Kapazitäts- und Leistungsgrenzen, Deutschland brauche „flächendeckende Glasfasernetze“. Die EU-Kommission müsse „bessere Rahmenbedingungen“ für die private Übernahme von Investitionskosten schaffen, forderte der Obermann weiter. Er geißelte die „herrschende Überregulierung“ der TK-Märkte als „entscheidende Investitionsbremse“. Europa solle sich ein Beispiel an den USA und Japan nehmen, forderte der Telekom-Chef: Dort habe man die Regulierung der Netze zurückgefahren, um die Wirtschaftskraft zu erhalten.

Autor: FN

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