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Mobilfunk: Gemeinsamer Aufbau von LTE-Netzen in Sicht
26.08.2010
Beim Ausbau der neuen LTE-Netze werden die Mobilfunkbetreiber in Deutschland womöglich zusammenarbeiten, erste Gespräche dazu hat es bereits gegeben, so meldet die Financial Times Deutschland (FTD).
Die Zusammenarbeit würde Sinn machen – die Mobilfunker müssen vergleichsweise hohe Investitionen stemmen, während die Preise für ihre Leistungen ständig fallen. In Schweden, Spanien und Großbritannien gibt es schon Beispiele für gemeinsame Mobilfunknetze. Und beim Aufbau und Betrieb von Mobilfunknetzen kann man durch Zusammenarbeit kräftig sparen, so zeigt eine Studie des US-amerikanischen Unternehmensberaters A. T. Kearney.
„Der Druck steigt“
„Der Druck steigt, sich auf Kooperationsmodelle zu verständigen“ sagte der Chef von O2 Deutschland René Schuster der FTD. „O2 ist für Kooperationen, beispielsweise im Festnetzbereich offen“. Nach Informationen des Blattes ist auch die Konkurrenz von der Deutschen Telekom gesprächsbereit. Sogar die Bundesnetzagentur befürworte eine Zusammenarbeit beim Aufbau von LTE – schließlich werde so der Aufbau der schnellsten mobilen Datenübertragungstechnik beschleunigt, so die Erwartungen der Regulierungsbehörde.
Die Firmen stehen unter Druck: Im Bereich Sprachtelefonie werden europäische Mobilfunker ab 2011 keinen Profit mehr machen, so prophezeit die US-amerikanische Unternehmensberatung A.T. Kearney. Die Kosten für Gespräche werden dann genauso hoch sein wie die erzielten Einnahmen.
Und im mobilen Datenfunk werden immer größere Mengen zu immer geringeren Preisen verbraucht – 2007 liefen in Deutschland noch 3,5 Millionen Gigabyte über die Mobilfunknetze, 2009 waren es schon 33,5 Millionen Gigabyte. Gleichzeitig sank der Durchschnittspreis von 40 Cent pro Megabyte auf unter zehn Cent, so die Bundesnetzagentur.
Das führte schon im Jahr 2009 in Europa dazu, dass das Umsatzwachstum mit mobilen Datendiensten nicht mehr reichte, um Rückgänge bei mobilen Sprachdiensten auszugleichen: Europaweit gingen die Umsätze in der Mobilfunkindustrie um 2 Prozent zurück, so zeigt eine Studie des US-amerikanischen Beratungsunternehmens Arthur D. Little.
Gemeinsames Netz spart viel Geld
Wo also soll man sparen? Die Experten von Arthur D. Little sehen drei Möglichkeiten: Die Mobilfunker könnten erst einmal ihre bestehenden UMTS-Netze mit HSPA+ aufnorden, statt gleich in LTE zu investieren. Sie könnten versuchen den wachsenden Mobilfunkverkehr mit Femtozellen und WLAN in ihre Festnetze umzuleiten. Oder sie könnten deutlich stärker als bisher beim Netzwerkausbau zusammen arbeiten.
Gemeinsam aufgebaute und betriebene Netze helfen, die Kosten kräftig zu senken, so sehen es auch die Experten von A.T. Kearney. Denn das sogenannte Radio Access Network, also das Funknetzwerk über das der Handy-Nutzer mit den zentralen Rechnern des Mobilfunkbetreibers verbunden wird, verschlingt in Europa durchschnittlich ein Drittel der laufenden Kosten und 80 Prozent der Investitionen eines Mobilfunkbetreibers.
Würden zwei Mobilfunker bei Planung, Aufbau und Betrieb sowie weiterem Ausbau des Netzes zusammenarbeiten, so die Modellrechnung der A. T. Kearney, könnten sie bis zu 59 Prozent der Kosten sparen.
Zwei Firmen ein Mobilfunknetz: Drei Beispiele in Europa
Beispiele für gemeinsame Netzwerke in Europa gibt es schon. Telenor Schweden (das zur norwegischen Telenor-Gruppe gehört) und der schwedische IT-Konzern Tele2 Schweden wollen gemeinsam das größte LTE-Netz Schwedens bauen. Beide Firmen halten jeweils fünfzig-Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen, das für den Aufbau und Betrieb zuständig ist. Gleichzeitig soll die Abdeckung für Sprachtelefonie über GSM verbessert werden. Telenor und Tele 2 wollen gemeinsam die Funkfrequenzen in den Bereichen 900 und 2600 Megahertz nutzen.
„Indem wir ein gemeinsames Netz aufbauen und unser Funkspektrum teilen schaffen wir ein neues Spielfeld auf dem schwedischen Markt. Wir teilen die Investitionen und sichern so die Kosten-Effizienz – und langfristig eine solide Marktstellung für Telenor in Schweden“ erklärte der Chef von Telenor Schweden Lars-Åke Norling. „Mit dieser Partnerschaft sichern wir eine kosteneffiziente Investition und können weiter bezahlbare Angebote entwickeln, während wir im Wettbewerb um Kunden stehen“ meint sein Kollege von Tele 2 Schweden Niclas Palmstierna.
In Großbritannien betreiben die Tochter der deutschen Telekom T-Mobile UK und die Konkurrenten von Hutchison 3 UK derzeit ein gemeinsames UMTS-Netz. Es wird kräftig ausgebaut. Am Ende soll es 12500 gemeinsame Bodenstationen haben und 98 Prozent der Bevölkerung erreichen und damit Europas größtes gemeinsam betriebenes Netz sein. Wenn der Ausbau fertig ist, werden 3000 überflüssige Bodenstationen ausgeschaltet. Als Netzbetreiber fungiert das Gemeinschaftsunternehmen Mobile Broadband Network Ltd. (MBNL), an dem beide Partner jeweils 50 Prozent halten.
Man muss nicht das ganze Netz teilen, man kann auch ein gemeinsames Teilnetz in eher dünn besiedelten Gebieten betreiben, das zeigt das Beispiel Spanien. Hier schlossen Orange und Vodafone 2007 einen Vertrag zur UMTS-Versorgung von Städten unter 25 000 Einwohnern in 19 Provinzen. Der angestrebte Vorteil: 25 Prozent mehr Netzabdeckung und 40 Prozent weniger Bodenstationen. Ende 2009 teilten sich beide Betreiber 3300 Basisstationen.
Autor: ET
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