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Mobilfunk: Mit Durchschnittsgeschwindigkeit werben!

24.02.2010

Beim mobilen Zugang zum Internet geben die Marketing-Abteilungen der Mobilfunkbetreiber gerne die theoretisch mögliche Spitzengeschwindigkeit der jeweiligen Technologie fürs Herunterladen von Webseiten an. Diese theoretischen Datentransferraten aber werden,  zurückhaltend formuliert, in der Praxis nicht immer erreicht.

Das ist – Überraschung! – auch bei der Datenübertragungstechnologie LTE (von englisch: Long Term Evolution, deutsch: langfristige Entwicklung) so.     

Ja wie schnell ist LTE denn? 

Der Mobilfunkanbieter Telia Sonera sieht sich – zu Recht -  in Sachen LTE ganz weit vorne:  in Stockholm hat man schon ein LTE Netz eingerichtet, im Laufe des Jahres 2010 soll Datenfunk per LTE dann auch in den 25 größten Städten in Schweden und den vier größten Städten in Norwegen kommerziell angeboten werden.

Wie schnell der LTE-Standard ist, dazu gibt es schon von den am Aufbau des neuen Datenfunk-Netzes beteiligten Firmen unterschiedliche Angaben: Der Netzausrüster Ericsson, der die Technik liefert, gab  beim Start des LTE-Netzes im Dezember 100 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen an. Der Mobilfunkbetreiber Telia Sonera war deutlich zurückhaltender und sprach von 50 Megabit pro Sekunde Surfgeschwindigkeit. Beim Marketing-Test zur Einweihung  – vermutlich unter denkbar günstigsten Bedingungen - kam Telia Sonera dann immerhin auf 43 Megabit pro Sekunde beim Runterladen von Daten.

Das schwedische Marktforschungsunternehmen Nortstream wollte die vollmundigen Ankündigungen aus der Sicht des einfachen Nutzers überprüfen und testete die Geschwindigkeit mit hauseigenen Bordmitteln. Niederschmetterndes Resultat: Die maximale LTE Geschwindigkeit liege bei 12 Megabit pro Sekunde, außerdem komme es häufig zu Aussetzern. Da sei man doch froh, dass man noch ein Modem der älteren HSPA-Datenübertragungstechnologie habe.     

Ein Blog wie Donnerhall

Veröffentlicht wurde das Ergebnis auf der hauseigenen Webseite von Northstream im Firmenblog – also an einer Stelle, die normalerweise nicht allzu viele Leser außerhalb der Firma anziehen dürfte. Doch diesmal wuchs sich der kleine Ruf im weiten Internet dank schneller Vervielfältigung zu einem wahren Donnerhall aus: „Telia's LTE not as fast as promised“ hieß es oder „Enttäuschender Start: LTE-Netz in Schweden getestet“.

Die ob der verheerenden Wirkung des eigenen Wortes sichtlich verblüfften Firmen-Blogger ruderten mit der praktisch erreichbaren Höchstgeschwindigkeit zurück; fünf Tage später gaben sie die Ergebnisse neuer Tests bekannt, und die waren deutlich besser. Die 12 Megabit pro Sekunde Maximalgeschwindigkeit habe man bei einem Versuch im Gebäude erzielt. Nun habe man das Wochenende und einen Arbeitstag für neue Tests genutzt, in Bussen und Autos, quer durch Stockholm, im Freien und in Gebäuden. Resultat: Die Übertragungsgeschwindigkeit liege öfter über 25 Megabit pro Sekunde als darunter, manchmal habe es sogar 45 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen gegeben. Und außerdem habe man ja keinen wissenschaftlich abgesicherten Test gemacht, sondern gewissermaßen einen Amateur-Versuch.   

Fazit: Höchstgeschwindigkeiten führen Kunden in die Irre

Immerhin hat der neue Casus den Blick auf das eigentliche Problem gelenkt: Es habe schon immer einen Abgrund gelegen zwischen den theoretischen Höchstgeschwindigkeiten und den Datentransferraten in der realen Welt, meint beispielsweise die englischsprachige Webseite rethink-wireless.com. In Wahrheit gehe es dabei um den Umgang der Mobilfunkanbieter mit ihren Kunden. Einige Anbieter gäben in ihrer Werbung die Durchschnittsgeschwindigkeiten fürs mobile Datenfunknetz an. Doch andere Unternehmen, insbesondere auf dem europäischen Markt, führten ihre Kunden in die Irre - sie suggerierten, dass die denkbaren Höchstgeschwindigkeiten der Normalfall seien.

Vielleicht kann man sich ja in Europa auf einen neuen Standard in der Werbung einigen: Statt der theoretisch denkbaren Höchstgeschwindigkeiten, die ohnehin so gut wie nie erzielt werden, gibt man eine nach Normvorgaben wissenschaftlich ermittelte reale Durchschnittsgeschwindigkeit an.  

Autor: ET

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