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Schnelles Internet kommt aufs Land
10.06.2010
Am 20. Mai ging nach 224 Bieterrunden die Auktion der Mobilfunkfrequenzen in Mainz zu Ende. Von den vier zugelassenen Bietern – Deutsche Telekom, Vodafone, O2 Germany und E-Plus – konnte sich nur E-Plus kein Paket der sogenannten digitalen Dividende sichern.
Die Bundesnetzagentur nahm mit der Versteigerung der Frequenzen 4,38 Milliarden Euro ein, weniger als die erwarteten fünf Milliarden Euro. An den Kauf der LTE-Frequenzen hat der Bund Bedingungen geknüpft. So sollen die Mobilfunkunternehmen zunächst den Ausbau des mobilen Internets in ländlichen Regionen vorantreiben.
Digitale Dividende war besonders begehrt
Versteigert wurden fast 360 Megahertz, fast dreimal so viel wie bei der ersten Frequenz-Auktion vor zehn Jahren. Vor allem die Pakete der sogenannten Digitalen Dividende im Bereich von 800 Megahertz waren bei den Bietern besonders begehrt. Diese Frequenzen wurden durch die Umstellung des TV-Empfangs auf Digitalfernsehen frei und können für LTE-Mobilfunk (Long Term Evolution) verwendet werden.
Drei der großen deutschen Mobilfunkanbieter (Telekom, Vodafone, O2 Germany) konnten jeweils zwei Pakete der digitalen Dividende erwerben. Lediglich E-Plus ging dabei leer aus und muss sich jetzt im Rennen um das schnelle mobile Internet andere Strategien einfallen lassen.
Breitbandzugang für alle Haushalte
Allerdings müssen sich die Mobilfunkunternehmen beim Ausbau ihrer Funknetze an Vorgaben der Bundesregierung halten. Die besteht nämlich darauf, dass die bisher unterversorgten ländlichen Gebiete vorrangig mit dem schnellen LTE-Standard versorgt werden.
So surfen in Deutschland etwa vier Millionen Menschen mit Geschwindigkeiten unter einem Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Internet, zum Teil noch mit altertümlichen Modems, da kein DSL-Zugang vorhanden ist. Ziel der Bundesregierung ist, dass bis Ende des Jahres alle Haushalte in Deutschland mit mindestens einem MBit/s ins Internet gehen können, egal ob im Festnetz oder über Mobilfunk. Dafür müssen die Netzbetreiber nun die Voraussetzungen schaffen.
Die Bundesländer werden eine Prioritätenliste erstellen, die diejenigen Städte und Gemeinden aufführt, die bevorzugt mit schnellem Internet zu versorgen sind. Erst wenn die Versorgung dort gesichert ist, dürfen die Mobilfunkunternehmen den LTE-Ausbau in Ballungsgebieten vorantreiben.
Fazit der Unternehmen
„Wir sind mit dem Ausgang der Frequenzauktion in Deutschland zufrieden“, sagt Niek Jan van Damme, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG. Insgesamt hat die Telekom bei der Auktion Frequenzen für 1,3 Milliarden Euro ersteigert. Mit den zwei Paketen der Digitalen Dividende will die Telekom „weiße Flecken“ auf der Landkarte schließen. Das 800er-Spektrum eignet sich besonders gut dazu, da nur wenige Funkstationen benötigt werden, um eine Breitbandversorgung zu realisieren. Mit den Frequenzen im Bereich von 1,8 und 2,6 Gigahertz will die Telekom neue Kapazitäten für die steigende Datenflut in den Ballungsgebieten schaffen. Vor einigen Monaten wurde bereits gemutmaßt, dass die Deutsche Telekom LTE bereits 2010 einführen werde.
René Schuster, CEO von O2 Germany, ist mit dem Ergebnis der Auktion ebenfalls zufrieden. Für rund 1,38 Milliarden Euro erwarb das Unternehmen insgesamt sieben Frequenz-Blöcke, davon zwei im begehrten Bereich der 800-MHz-Frequenzen. „Wir stehen voll hinter der Breitband-Initiative der Bundesregierung“, sagt Schuster. „Nun werden wir diese neuen Technologien so schnell wie möglich zur Verfügung stellen, um die ländlichen Gebiete mit Breitband-Internetzugängen zu versorgen.“ Wann o2 LTE starten wird ist derzeit noch unklar.
Insgesamt zwölf Blöcke für 1,42 Milliarden Euro ersteigerte das Düsseldorfer Unternehmen Vodafone. Mit den Frequenzen im 2,6 Gigahertz-Band will Vodafone LTE in die Ballungsgebiete bringen und Kapazitätsreserven für zukünftiges Wachstum bereithalten. Mit seinen zwei Paketen der Digitalen Dividende will auch Vodafone ländliche Regionen besser versorgen.
Für sechs Blöcke im Bereich von 1,8 bis 2,6 Gigahertz muss E-Plus 283 Millionen Euro zahlen. Mit den ersteigerten Frequenzen plant das Unternehmen eine Steigerung der Reichweite, der Kapazität und der Geschwindigkeit seines Netzes. Als einziger Bieter konnte das Unternehmen keine Frequenzen im 800-Megahertz-Band ersteigern. Ob E-Plus LTE Frequenzen anderer Anbieter anmieten wird, ist derzeit noch nicht endgültig geklärt. Wie berichtet sondiert der Konzern Kooperationsmöglichkeiten aus. Thorsten Dirks, CEO der E-Plus-Gruppe, fordert von der Bundesnetzagentur die Schaffung von Chancengleichheit im Wettbewerb der Mobilfunkbetreiber: „Die Bundesnetzagentur hatte vor der Auktion eine Untersuchung dieser Wettbewerbsproblematik auf Drängen der Europäischen Union zugesagt. Jetzt müssen Taten folgen.“
Autor: MB
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