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Nokia setzt auf mobile Dienste

29.12.2009

Noch immer ist Nokia der größte Handy-Produzent weltweit. Doch die Konkurrenz setzt dem finnischen Unternehmen hart zu: Vor allen Dingen bei Smartphones mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm – dem  großen Renner auf dem Markt der teuren Mobiltelefone – holen die Konkurrenten allen voran Apple auf. Bei den Handys der Oberklasse sank der Marktanteil zuletzt um drei Prozentpunkte auf 39,3 Prozent – ein historischer Tiefstand. Der Anteil am Markt für Mobiltelfone lag zuletzt bei weltweit rund 38 Prozent.

Das Unternehmen und seine Bosse wollen nun wieder mehr Gewinne einfahren – und setzen dabei voll auf mobile Datendienste. „Wir müssen die Chance nutzen, Nokia  völlig neu aufzustellen. Aus dem Hersteller von Mobiltelefonen wird ein Anbieter von Internet-Lösungen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Nokia gestärkt aus dieser Transformation hervorgeht“ so erklärte der Nokia-Vorstand Anssi Vanjoki in einem viel beachteten Gespräch der „Wirtschaftswoche“. Vanjoki gilt in Branchenkreisen als möglicher neuer Chef des finnischen Handy-Konzerns.  

Nokias mobile Dienste

Da wartet womöglich noch viel Arbeit auf Chef und Mitarbeiter. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass sich Nokia schon seit einiger Zeit – unter anderem durch massiven Zukauf von einschlägigen Unternehmen – auf den langen Weg zum mobilen Rundum-Versorger gemacht hat und schon heute eine Fülle von Diensten anbietet.

Nokia Messaging heißt einer davon, er umfasst Push-Mails – also die zeitnahe Weiterleitung von Emails auf mobile Geräte – und Instant Messaging, also das Chatten per Mobiltelefon. Mit dem Modell E75 beginnend wird ein neues E-Mail-Programm geliefert, das über die Nokia Infrastruktur Push-Mails beispielsweise für Konten bei AOL, Google Mail, Hotmail oder Yahoo bietet. Die Kunden können dabei zwischen verschiedenen Konten wechseln. Zuerst auf dem S-40-Betriebssystem, dann auch auf den S-60-Geräten soll es Instant-Messaging geben, angeboten werden die einschlägigen Dienste von AOL, Google Talk, Microsoft oder Yahoo, alles unter dem Etikett Nokia Messaging. Am Ende will Nokia auf allen Mobiltelefonen E-Mails und Instant Messaging haben.

Das Gegenstück zu dem App Store, mit seinen vielgerühmten kleinen Zusatzprogrammen für iPhones heißt bei Nokia Ovi. Hier sollen die Kunden Zusatz-Software für ihre Smartphones und einfacheren Handys finden und natürlich für Musik, Spiele oder vielfältige Anwendungen zahlen. Zum Beispiel Musik: einige musikfähige Handys werden mit dem Zusatz Comes With Music vertrieben, der Kunde kann dann aus dem Musikladen der Finnen beliebig viele Stücke zum Billigtarif herunterladen. Kleiner Nachteil: Die Titel können nur auf dem gekauften Handy - oder auf einzeln zu aktivierenden Heimcomputern – gespielt werden. Zum Beispiel Karten und Navigation: Ein Nokia-Zusatzprogramm auf den Mobiltelefonen besorgt das Herunterladen der nötigen Karten, die Karten selbst kosten nichts. Zahlen muss man dann aber für die Navigation.

Nun will auch Nokia voll ins Geschäft mit den Apps

Insgesamt ist der Ovi-Laden nach Ansicht von Branchenkennern noch deutlich ausbaufähig. Was Wunder, die Konkurrenz – wie der iPhone-Hersteller Apple, der Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) oder Google - hat schon einen gewissen Vorsprung, das räumte auch Vanjoki in seinem vielzitierten Interview ein: „Wir waren auf die Angriffe nicht optimal vorbereitet, weil wir den dazu erforderlichen Umbau sicherlich zu langsam angegangen sind. Im Prinzip war uns auch vor zwei Jahren schon klar, dass der Umbau keinen Aufschub duldet. Doch erst die Wirtschaftskrise hat uns die Dringlichkeit vor Augen geführt. Heute arbeitet wirklich jeder bei Nokia an dieser Neuausrichtung, damit Nokia auch im Geschäft mit mobilen Lösungen und Applikationen ein starker Spieler wird.“

Neue Ziele 

Nokia hat in den vergangenen Jahren über eine Milliarde Euro für den Kauf von Service- und Web-Unternehmen ausgegeben, so berichtet die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“. Und das soll sich irgendwann einmal bezahlt machen - der Umsatz mit mobilen Dienstleistungen wie Navigation, lokalen Diensten, und anderen Angeboten soll bis 2011 auf rund zwei Milliarden Euro steigen. Insgesamt peile Nokia die Marke von 300 Millionen aktiven Nutzern bei den Nokia-Diensten an, so das Blatt weiter.

Fazit des Handelsblattes: „So wie andere Anbieter war Nokia völlig unvorbereitet vom Boom der Mobilsoftware für Smartphones (`Apps´) erwischt worden. Google (Android), Microsoft und Blackberry arbeiten ebenfalls mit Hochdruck daran, den Vorsprung Apples in diesem Segment aufzuholen“.

Autor: ET

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