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Kein Handy-TV via DVB-H zur Fußball-EM
13.05.2008
Ein Dämpfer für alle fußballbegeisterten Handy-Besitzer ist die Nachricht, dass es nun wohl doch kein mobiles Fernsehen via DVB-H rechtzeitig zur EM geben wird. Schuld sind offenbar die Landesmedienanstalten, einige von ihnen haben die Frequenzen für das Handy-TV noch nicht genehmigt.
Monatelang hieß es, mobiles Fernsehen über den Standard DVB-H („Digital Video Broadcasting-Handhelds“) werde pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft im Juni starten. Jetzt äußerte Henrik Rinnert, Geschäftsführer der „Mobiles Fernsehen Deutschlang GmbH“ (MFD), seine Zweifel am geplanten Sendestart. Auf der Veranstaltung Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig erklärte Rinnert, DVB-H werde bis zur EM wohl nur in einigen Städten zu empfangen sein: „Es wird ein Softlaunch. Die Zeit für einen großen kommerziellen Start ist viel zu knapp“.
DVB-H, DVB-T oder UMTS?
Neben der zögerlichen Genehmigung der Frequenzen ist ein weiterer Grund für die nur schleppende Einführung von Handy-TV auch die geringe Akzeptanz von mobilem Fernsehen auf dem deutschen Markt. Nach Meinung von Manfred Neumann, Leiter der Mobile Services bei SevenOne Intermedia, müsse der Fokus darauf liegen, dass sich die Endgeräte verkaufen. „Wenn Nokia nicht mit an Bord ist, wird man keine große Reichweite finden“, meinte Neumann beim Medientreffpunkt. Der finnische Handyhersteller ist ein mächtiger Player auf dem weltweiten und deutschen Mobilfunkmarkt. Zudem verstünden nur die wenigsten Kunden den Unterschied zwischen den Standards DVB-T, DVB-H und UMTS, fuhr Neumann fort: „Das momentane Wirrwarr macht mobiles Fernsehen für die Endkunden nicht gerade interessanter. Wir sollten uns daher mehr über die Inhalte Gedanken machen“.
Dieser Meinung ist auch die ARD. Wie der zuständige Koordinator für den Bereich Digitales Fernsehen, Michael Albrecht mitteilte, arbeitet der öffentlich-rechtliche Senderzusammenschluss bereits an neuen Formaten für Handy-TV. Beispielsweise strahlt die ARD seit längerem die Tagesschau im 100-Sekunden-Format aus. Weitere Details wollte Albrecht nicht bekannt geben. In der Branche wird über spezielle Handy-TV-Angebote im Bereich Sport spekuliert. „Aber: Nicht alles, was auf einem Flatscreen geht, funktioniert auch im Handy-TV“, gab Albrecht abschließend zu bedenken.
Das Programm von Dailyme.tv
Ein Beispiel für kundenorientiertes Handy-TV ist der neue Service „dailyme.tv“ des Berliner Unternehmens „mando.TV GmbH“. Dailyme.tv bringt personalisiertes Fernsehen umsonst auf das Mobiltelefon. Der Dienst finanziert sich über Werbeeinnahmen. Die Nutzer können sich ihr Programm individuell aus den großen Marken zusammenstellen und sendezeit-unabhängig abrufen. Dailyme.tv befindet sich noch in der Aufbauphase, derzeit kooperieren die Berliner mit ProSieben, Sat1, MTV, DW, N24, ViTiVi, podcast.de und wetter.com. Stefan Bielau, Leiter von Sales und Marketing, umschrieb sein Programm in Leipzig mit den Worten: „DVB-H und DVB-T sind schwer verdauliche und überteuerte Fünf-Gänge-Menüs, während dailyme.tv ein Schokoriegel zum Mitnehmen ist“.
DMB ist aus dem Rennen
Ein weiterer Konkurrent auf dem Markt für mobiles Fernsehen war bisher der Standard DMB - „Digital Multimedia Broadcasting“. Dieses digitale Übertragungssystem wurde zum 1. Mai eingestellt. Das Unternehmen „Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH“ (MFD) hatte diesen Standard seit dem Jahr 2006 vorangebracht („Watcha“), inzwischen ist der Kölner Handy-TV-Anbieter aber übergelaufen zum Konsortium „Mobile 3.0“. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture von NEVA Media, MFD und verschiedenen Medienkonzernen, welches mobiles Fernsehen über den Standard DVB-H voranbringen will. „Für DMB gab es keine Unterstützer, weder bei den Endgeräteherstellern noch im Mobilfunkmarkt. Bei den Contentlieferanten gab es Interesse, aber es fehlte die Infrastruktur“, kommentierte Henrik Rinnert, Geschäftsführer der MFD das Aus für den Übertragungsstandard.
Autor: FN
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