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DVB-T2: Nachfolger von DVB-T vorgestellt
10.07.2008
Der digitale Fernsehstandard DVB-T ist in Deutschland noch nicht einmal flächendeckend eingeführt, da geht schon der Nachfolger DVB-T2 an den Start. Gerade hat das europäische Konsortium „DVB Project“ die zweite Generation des terrestrischen Digitalfernsehens verabschiedet. DVB-T2 soll deutlich effektiver mit der verfügbaren Bandbreite umgehen und daher seinen Vorgänger im Jahr 2010 ablösen.
Die Spezifikationen des neuen Standards müssen nur noch vom „European Telecommunications Standard Institute“ (ETSI) bestätigt werden, dann steht einer Einführung des verbesserten „Digital Video Broadcasting-Terrestrial“ nichts mehr im Weg. Angeblich weist der Nachfolgestandard dank Bündelung über Multiplex-Verfahren eine 30 bis 50 Prozent höhere Kapazität auf.
Effektiver und robuster als der Vorgänger
Laut DVB Project kann das Videomaterial jetzt auch mittels MPEG-4 AVC anstatt wie bisher mit MPEG-2 kodiert werden. Dieser Standard ist doppelt so effizient und kann auch für hochauflösendes Fernsehen (HDTV) und Blu-ray-Filme eingesetzt werden. So werden voraussichtlich sieben statt wie bisher vier Sender auf jeden Frequenzkanal passen, wodurch sich theoretisch die Anzahl der empfangbaren Sender erhöht. Die Sendeanstalten können die frei werdende Bandbreite entweder für neue Kanäle oder zur Verbesserung der Übertragungsqualität nutzen. Darüber hinaus kommt beim neuen DVB-T2 die Fehlerkorrektur „Low Density Parity Check“ (LDPC) zum Einsatz. Diese neue Technologie soll das Signal robuster und stabiler machen.
Für die Verbraucher hat die Einführung des neuen Fernsehstandards jedoch einige Nachteile : DVB-T2 ist nicht abwärtskompatibel, das heißt, alte DVB-T-Geräte werden den neuen Standard nicht verarbeiten können. Besitzer eines Handys mit DVB-T-Empfang müssen sich 2010 ein neues Gerät zulegen. Wenigstens funktioniert die Entschlüsselung laut Konsortium in umgekehrter Richtung: neue DVB-T2-Receiver werden die alten Signale problemlos umwandeln können. Eine weitere Schwierigkeit tut sich bei der sehr rechenintensiven Entschlüsselung von MPEG-4 AVC auf. Zwar wurden spezielle Video-Chips für die MPEG-4-Wiedergabe entwickelt, welche die Prozessor-Belastung so weit reduzieren, dass Videos auch auf Einsteigerhandys angesehen werden können. Die Folge dieser arbeitsintensiven Vorgänge ist dann aber eine vorzeitige Aufgabe des Handy-Akkus.
Einführung in Deutschland
Die öffentlich-rechtlichen Sender ADR und ZDF haben sich bislang nicht zur Einführung von DVB-T2 geäußert. Für viele private Sendeanstalten gilt schon der Vorgänger DVB-T als unrentabler Verbreitungsweg. Erste Prototypen für den neuen Standard DVB-T2 werden laut Konsortium schon für Ende 2008 erwartet.
Die Entwickler empfehlen die neue Technologie allerdings ganz klar als Standard für Gebiete, in denen der Wechsel von analogem zu digitalem Fernsehen schon weit fortgeschritten oder abgeschlossen ist („Post-Analogue Switch-Off Environments“). Davon kann in Deutschland keine Rede sein. Beim DVB Project erwartet man, dass DVB-T und DVB-T2 über mehrere Jahre bis zur flächendeckenden Markteinführung nebeneinander existieren werden.
Autor: FN
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