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Mobile TV: Das Überall-und-Jederzeit-Fernsehen

Der Trend zu mehr Mobilität und gleichzeitiger Unabhängigkeit in unserer Gesellschaft macht auch vor dem Fernsehen nicht halt. Nachdem mobile Telefonie im letzten Jahrzehnt einen Siegeszug angetreten hat, den selbst die kühnsten Marktforscher Mitte der Neunziger Jahre nicht für möglich gehalten hätten, gehen zahlreiche Experten davon aus, dass sich mobile TV in den kommenden zehn Jahren ebenfalls zu einem gigantischen Markt entwickeln wird.

Mobile TV bedeutet in diesem Zukunftsszenario nicht nur den Empfang klassischer Fernsehprogramme. Im Rahmen des mobilen Fernsehens von morgen sollen neue Formate und Mehrwertdienste entstehen, die einerseits den Kunden zusätzliche Features bieten und auf deren Basis die beteiligten Unternehmen andrerseits neue Geschäftsmodelle etablieren können. 

Was ist mobile TV?

Die meisten Menschen denken bei „mobile TV“ meist an Handy-TV, also an den mobilen empfang von Fernsehsendungen über ein Handy. Mobile TV ist jedoch wesentlich mehr. Im Grunde kann mobiles Fernsehen auf allen portablen Geräten, sprich auch auf Laptops, Subnotebooks, Navigationsgeräten, Smartphones oder PDAs genutzt werden.

Der Begriff mobile TV ist nicht nur auf den Empfang von Standard-TV-Programmen wie man sie kennt - und gewöhnlich in den eigenen vier Wänden in Anspruch nimmt - festgelegt. Mobile TV bedeutet gleichzeitig die mobile Nutzung neuer – speziell für das Format – entwickelter TV-Produktionen und Special-Interest-Programme also spezieller Inhalte die auf die Gewohnheiten und Wünsche des Kunden zugeschnitten sind. Ebenso sehen wagemutige TV-Manager großes Potential im Rahmen des mobilen Fernsehens auch Zusatzdienste wie den Download von Musik oder Games, die Übertragung von Hörspielen oder Radiosendungen im Markt etablieren zu können.

Das Chaos um DVB-H, UMTS und Co.

Der mobile Fernsehempfang auf Handys und Laptops ist grundsätzlich über unterschiedliche technische Standards möglich. Derzeit konkurrieren in Deutschland drei Übertragungsarten um die Gunst der Kunden: Neben dem Mobilfunk-Standard UMTS gibt es auch die Rundfunk-Standards DVB-H und DMB.

Nachdem die EU die DVB-H-Technologie im März 2008 quasi zum europäischen Mobile TV Standard erklärt hat, setzen die beteiligten Unternehmen große Hoffnungen darauf, dass der seit Jahren andauernde Formatkrieg bald ein Ende haben und das mobile Fernsehen im Rahmen der Fußball-EM 2008 endlich für ein Massenpublikum zugänglich sein wird.

Und auch die Diskussion, wer in Deutschland die DVB-H-Technologie vermarkten darf, scheint im ersten Quartal 2008 endgültig ein Ende gefunden zu haben: Die Landesmedienanstalten vergaben die Lizenz für den Sendebetrieb im Januar 2008 an das “Mobile 3.0” Konsortium, das als Joint Venture von den beiden Gesellschaften MFD Mobiles Fernsehen Deutschland und NEVA Media betrieben wird. Hinter der Neva Media steht die Verlagsgruppe Holtzbrinck und der Medienkonzern Hubert Burda Media.

MFD engagiert sich bereits seit 2005 im Mobile TV Markt, besitzt Sendelizenzen im DMB-Standard (Digital Multimedia Broadcasting) und ist seit Anfang Juni 2006 mit dem mobilen Fernsehen „watcha“ auf Sendung. An MFD ist seit Mitte 2007 der südafrikanische Medienkonzern Naspers beteiligt. 

Im Rahmen der neuen „Mobile 3.0 Kooperation“ werden die Fernseh-Inhalte anfangs von den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern Das Erste und ZDF und den Privatsendern wie RTL, VOX, Sat.1 und ProSieben geliefert. Die Hörfunkangebote kommen von Digital 5 (Comedy und Karaoke), BigBuddy und Kick.FM (Fußballsender).

Auch die Mobilfunkanbieter bewarben sich um eine DVB-H-Lizenz. Die Anbieter T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 schmiedeten dafür eine Kooperation, die vom Bundeskartellamt zwar genehmigt wurde, bei den Landesmedienanstalten jedoch nicht auf Gegenliebe stieß: Ein Zuschlag für die Sendelizenz wurde nicht erteilt. Somit bieten die Mobilfunkbetreiber nach wie vor ihr eigenes Mobile TV lediglich über das UMTS-Netz an.

Autor: MN

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