12.12.2007

Testbericht: Wie gut ist das iPhone wirklich?

Einen iPhone-Test haben zahlreiche Fachredaktionen bereits im Zuge der amerikanischen iPhone-Variante durchgeführt. Die laptopkarten.de-Redaktion hat die Deutschland-Premiere des iPhones abgewartet und untersuchte das neue Kult-Handy sofort im Rahmen eines großen iPhone-Tests.

Unsere Redaktion versuchte auf die wichtigsten Themen rund um das neue Apple-Handy einzugehen. Die wichtigsten Fragen für uns waren: Was kann das iPhone Handy? Wodurch unterscheidet es sich von ähnlichen Modellen der Konkurrenz? Was ist so revolutionär an dem neuen Gerät? Wo sind die Schwächen?

Der erste Eindruck: Wow!

Ähnlich wie der iPod hat auch das iPhone abgerundete Ecken. Das Gerät ist mit 11,6 Millimetern sehr dünn, wiegt 136 Gramm und liegt gut in der Hand – fast so geschmeidig wie ein großer, glatter Kieselstein. Auf der Glas-Oberfläche gibt es nur eine Taste, drei weitere finden sich an den Gehäuseseiten. Alles andere ist pures Display. Das Apple Handy erscheint dadurch handlich und edel.

Neuer Bedienkomfort dank Touch Screen

Wer zum ersten Mal ein iPhone in die Hand nimmt, sollte schnell alles vergessen, was er bislang über Handys gelernt hat. Das neue Apple Handy vermittelt dem Nutzer tatsächlich ein völlig neues Gefühl der Bedienung. Das liegt zum großen Teil daran, dass das iPhone nicht wie bisher üblich über eine Tastatur bedient wird, sondern über einen berührungsempfindlichen Bildschirm.

Die Apple-Gegner müssten an der Stelle jetzt aufschreien: Das ist nichts revolutionäres! Solche Bildschirme gibt es schon lange - auch bei Handys! Das ist nicht ganz richtig. Es stimmt zwar, dass berührungsempfindliche Bildschirme auch bei anderen Handys eingesetzt werden, aber in der Regel funktionieren solche Bildschirme nur mit speziellen Eingabestiften.

Um beim iPhone eine Funktion aufzurufen reicht es aus, wenn man mit dem Finger über die Oberfläche fährt und ein Symbol antippt. Ein Novum ist auch Apples Multitouch-Funktion, die Eingaben von bis zu vier Fingern gleichzeitig verarbeiten kann. So ist es beim iPhone möglich, mit dem Finger durch Websites zu scrollen oder durch Spreizen von zwei Fingern ein Bild zu vergrößern.

iPhone-Test: Display-Größe optimal für mobiles Internet

Das neue Apple Handy mit einem großen Display auszustatten war zweifellos eine brilliante Idee. Steve Jobs bewies schon einige Male, dass er eine gute Nase für revolutionäre Neuerungen hat. Der große Bildschirm wird iPhone-Nutzern das mobile Internet ganz anders präsentieren können als durchschnittliche Handy-Modelle.

Die Größe des iPhone-Bildschirms beträgt 3,5 Zoll, die Auflösung beträgt 320 mal 480 Bildpunkte. Zum Vergleich: die Displays vergleichbarer Handy-Modelle haben meist eine Auflösung von 240 mal 320 Pixel. Zudem verfügt das iPhone über eine sehr hohe Punktdichte (163 dpi ), so dass Texte gestochen scharf, Bilder und Videos farbenprächtig dargestellt werden.

Bewusst hat man sich bezüglich der Display-Oberfläche für Glas entschieden. Für den Nutzer hat das Vor- und Nachteile. Im Gegensatz zu Plastik ist Glas nicht so anfällig für Kratzer. Aber zukünftige iPhone-Besitzer können davon ausgehen, dass sie die Oberfläche ihres Edel-Spielzeuges öfter mal mit einem Putztuch bearbeiten müssen. Wie sich im Test gezeigt hat hinterlässt die exzessive Bedienung per Finger deutliche Spuren.

Betriebssystem auf Computer-Niveau

Spätestens bei der Auseinandersetzung mit dem Betriebssystem merkt man schnell, dass es sich beim iPhone mehr um einen Computer, als um ein Handy handelt. Apple hat das Mobiltelefon mit Mac OS X ausgerüstet, also dem Betriebssystem, mit dem auch Notebooks, Desktop-Rechner und sogar Server aus dem Hause Apple laufen.

Der Funktionsumfang wurde für das iPhone zwar ein wenig eingeschränkt, die wichtigsten Technologien scheinen jedoch enthalten zu sein. Die Geschwindigkeit mit der das iPhone „arbeitet“ ist sagenhaft. Kein Handy in der gleichen Preiskategorie bietet derzeit eine vergleichbare Systemgeschwindigkeit.

Software-Plattform ab 2008 für externe Programmierer zugänglich

Und auch bei der Software punktet das iPhone gegenüber der Konkurrenz. Wie gewohnt spielte auch bei der Entwicklung des iPhones Benutzerfreundlichkeit eine große Rolle. Ohne ein einziges Mal das Handbuch aufgeschlagen zu haben, kann man sofort einzelne Funktionen ausprobieren.

Programme wie Kalender, Google Maps oder YouTube sind bereits vorinstalliert. Regelmäßige automatische Software-Updates sollen das Handy im Rahmen eines kostenlosen Supports mit der Zeit noch verbessern.

Im Gegensatz zu anderen Handy-Herstellern hat Apple die iPhone-Plattform momentan nicht für andere Softwareanbieter geöffnet. Der Konzern möchte sicherstellen, dass das iPhone ohne Probleme funktioniert. In Zukunft (bereits ab Anfang 2008) soll jedoch ein so genanntes Software Development Kit (SDK) für das iPhone angeboten werden. Damit erhalten Programmierer dann die Möglichkeit, eigene Anwendungen für das iPhone zu schreiben.

iPhone-Synchronisation: Nichts einfacher als das

Die Installation und Synchronisation des iPhone verlief im Test absolut einwandfrei und zeichnete sich vor allen Dingen durch Einfachheit aus. Der komplette Synchronisations-Vorgang von Kontakten, E-Mail-Konten und Kalendern wird dabei von iTunes übernommen. Im Gegensatz zu gängigen Smartphone-PC-Abgleichen kann die Synchronisation über iTunes aber noch mehr: Über die Schnittstelle können auch Filme, Fotos und Musik übertragen werden.

Visual Voicemail: Der iPhone-Anrufbeantworter im Test

Mit Visual Voicemail – also der visualisierten Anrufbeantworter-Funktion – hat Apple beim iPhone ein Feature eingeführt, dass viele zukünftige Nutzer begeistern wird: Bei einer normalen Handy-Mailbox hat man stets das Problem, dass man alle Nachrichten in der Reihenfolge ihres Eingangs abhören muss. Ist nun die allerletzte Nachricht die einzig wichtige, so bleibt bei dieser Art der Informationsaufnahme effektives Zeitmanagement auf der Strecke.

Mit der Apple-Visual-Voicemail-Fuktion werden hingegen vom Handy eingehende Nachrichten automatisch in den eigenen Speicher geladen. Auf dem iPhone werden die Nachrichten dann in einer übersichtlichen Liste inklusive Namen des Anrufers auf dem Display angezeigt. So kann man sie – durch einfaches Antippen der Benutzeroberfläche – in beliebiger Reihenfolge abhören, vor- und zurückspulen oder die Anrufer direkt zurückrufen.

E-Mail-Funktion besser als erwartet

Das Abrufen von E-Mails funktioniert beim iPhone besser als zunächst angenommen. Hatte man doch im Vorfeld die Befürchtung, dass Apples E-Mail-Funktion dem E-Mail-Push-Dienst von Blackberry nicht das Wasser reichen könnte.

Das iPhone-E-Mail-Programm funktioniert jedoch so reibungslos, dass man fast das Gefühl hat, die E-Mails von einem Rechner und nicht von einem Handy abzurufen. Dabei zapft das iPhone das E-Mail-System des Kunden an (z.B. Yahoo, Web.de oedr AOL). Die E-Mails werden dann – anders als beim Blackberry – mit Überschrift, Absender und kurzem Anriss präsentiert. Die E-Mails werden in der gleichen HTML-Ansicht abgebildet, wie bei einem Abruf an einem normalen PC oder Laptop. Bilder, PDF- und Office-Dokumente werden direkt in der E-Mail angezeigt und öffnen sich in Sekundenbruchteilen.

Das neue Multi-Touch-System funktioniert natürlich auch bei E-Mails: Will man eine Nachricht löschen, genügt ein kurzer Wischer über die entsprechende Mail und eine Bestätigung per Fingerdruck – das wars.

Mobiles Internet: Ideales Gerät, suboptimale Übertragungstechnologie

Das iPhone ist aufgrund seiner Beschaffenheit ein ideales Handy für die Nutzung des mobilen Internets. Wer zum ersten Mal mit dem iPhone im Internet surft, stellt unweigerlich fest, dass man der seit Jahren in Studien und Artikeln vielfach beschrieben mobilen Zukunft tatsächlich ein großes Stück näher gekommen ist.

Apple hat das iPhone mit einen fast kompletten Safari-Internetbrowser ausgestattet. Internetseiten werden in ihrer vollen Größe angezeigt, so wie man es vom PC oder Laptop kennt. Wer möchte, kann interessante Stellen heranzoomen. Gesurft wird - je nach Bedarf - in der vertikalen oder horizontalen Ansicht.

Was das Surfvergnügen schmälert ist die Tatsache, dass man beim iPhone - wie bereits vielfach in der Presse kritisiert - keine Anbindung an UMTS Netze integriert hat. So kann der mobile Surfer in Deutschland "nur" das mit EDGE aufgepeppte GSM-Netz nutzen. Allerdings funktioniert auch WLAN. D.h. überall da, wo T-Mobile-Hotspots sind, kann der iPhone-Nutzer mit einer Geschwindigkeit im Internet surfen, die noch um ein vielfaches höher ist als UMTS. Nähere Informationen zu dieser Thematik finden Sie im Artikel zum iPhone-Netz. Zum Erscheinungstermin einer UMTS iPhone Version können sie sich ebenfalls an entsprechender Stelle informieren.

iPhone-Tastatur ohne Tasten

Eine der umstrittensten Funktionen des neuen iPhone ist die Tastatur, da Apple ein völlig neues Schreibmodell einführt. Die Gefahr eines Daumenkrampfes beim SMS-Schreiben wie man es von normalen Handys kennt, besteht bei der Nutzung der iPhone-Tastatur nicht. Ebenso wenig hat das Schreibgefühl auf dem neuen iPhone wenig mit dem Schreiben auf einem Blackberry gemeinsam.

Es braucht zwar eine ganze Weile bis man mit der neuartigen Tastatur – die wohlgemerkt ganz ohne Tasten funktioniert – klarkommt, aber nach ein paar Stunden hat man es eigentlich raus und kann mit dem Finger schnell auf die angezeigten Buchstaben tippen. Und wer sich vertippt, dem hilft die automatische Fehlerkorrektur.

Kamera: iPhone-Test mit „befriedigend“ bestanden

Die iPhone-Kamera ist im Großen und Ganzen kein Feature, das besonders hervorgehoben werden müsste. Die Fotos der 2-Megapixel-Kamera sind bei ausreichenden Lichtbedingungen recht gut. Aber einen guten digitalen Fotoapparat wird auch das iPhone nicht ersetzen können.

Im Gegensatz zur Kamera ist das iPhone-Fotoalbum ein absoluter Mehrwert. Es macht richtig Spaß sich Fotos auf dem iPhone anzusehen. Zum einen trägt das große Display dazu bei, dass die Fotos einfach gut aussehen, zum anderen ist die Usability erstklassig. Wer ein Foto einfach mit dem Finger zur Seite schiebt gelangt zum nächsten Bild. Werden Daumen und Zeigefinger auseinander bewegt, zoomt der Bildschirm in das Motiv hinein und zeigt den gewählten Ausschnitt in vergrößerter Ansicht. Bewegen sich die Finger. Dreht man das iPhone von der Vertikalen in die Horizontale, drehen sich auch die Bilder mit. So kann jedes Foto auf dem ganzen Bildschirm dargestellt werden.

Akku-Laufzeit mit Stärken und Schwächen

In punkto Akku-Laufzeit kann die Redaktion dem iPhone nicht die besten Test-Ergebnisse bescheinigen. Im Vorfeld sprach man von acht Stunden Telefonieren, sieben Stunden Video-Nutzung, und ganzen 24 Stunden Musik-Genuss. In unserem iPhone-Test hat sich der Bildschirm bereits nach 7,5 Stunden verabschiedet. Allerdings muss man dazu sagen, dass das Gerät in dieser Zeit wirklich exzessiv genutzt wurde.

Positiv fällt jedoch der Energie-Spar-Effekt auf, der auf die neuen Sensoren des iPhones zurückzuführen ist: Hält man das Apple-Handy zum Telefonieren ans Ohr, so wird der Bildschirm automatisch abgeschaltet. Dieses intelligente Stromsparsystem schont den Akku. Verwunderlich dass diese Idee nicht schon vor Jahren von anderen Handy-Herstellern aufgegriffen wurde.

Fazit: Hoher Fun- und Kult-Faktor

Lohnt sich nun ein iPhone Kauf? Tja, das muss jeder selbst beurteilen. Ein Schnäppchen ist das Gerät samt Mobilfunk-Vertrag sicher nicht, auch wenn der iPhone Tarif für bestimmte Nutzertypen durchaus attraktiv sein kann. Aber auf der anderen Seite sind zahlreiche Features tatsächlich so innovativ, dass sich ein völlig neues Handy-Feeling mit dem iPhone einstellt. Die Bedienung des komplexen Gerätes ist kinderleicht, die berührungssensitive Glasoberfläche ist revolutionär.

Alles in allem handelt es sich beim iPhone tatsächlich um ein Mobiltelefon, das einige etablierte Handy-Modelle in der gleichen Preisklasse in den Schatten stellt. Ob das Gerät die weitere Entwicklung im Bereich des mobilen Internets wesentlich verändern wird bleibt abzuwarten. Aber die Voraussetzungen, dass es das Kulthandy schlechthin werden könnte, sind definitiv gegeben.

Autor: MN