11.11.2008

Deutsche Telekom: gute Zahlen dank Mobilfunksektor

Telekom-Vorstandschef René Obermann konnte am vergangenen Mittwoch mit einer Überraschung aufwarten: Der größte europäische Telekommunikationskonzern ist bisher von der Finanzkrise verschont geblieben. Man habe auch im dritten Quartal operativ sehr gut Fortschritte gemacht und sei auf dem besten Weg, die Ziele für 2008 zu erreichen, erklärte Obermann. Nichtsdestotrotz wirkte der Konzernchef angespannt: Die Abkehr der Kunden vom Festnetz bereitet der Deutschen Telekom Kopfschmerzen.

Die vorgelegten Zahlen zeigen einen Gewinn nach Steuern von 895 Millionen Euro, das ist fast dreimal so viel wie im Vorjahresquartal. Der Löwenanteil kam dabei wieder einmal von der Mobilfunk-Tochter: T-Mobile USA etwa konnte 670.000 Neukunden verbuchen, der Umsatz von T-Mobile Niederlande wuchs um 62 Prozent auf 477 Millionen Euro. T-Mobile Deutschland verzeichnete 1,2 Millionen neue Kunden im dritten Quartal 2008.

Wie viel Zukunft hat das Festnetzgeschäft?

Die positive Bilanz verdankt die Deutsche Telekom zum einen dem strikten Sparkurs - seit 2006 wurden rund 3,5 Milliarden Euro eingespart – zum anderen aber der Tatsache, dass das Kerngeschäft heute praktisch im Mobilfunkbereich liegt. Der Kommunikationssektor scheint von der Finanzkrise kaum betroffen, die Nutzer halten an ihrem gewohnten Kommunikationsverhalten über Telefon und Internet fest. Der einstige T-Mobile-Chef René Obermann hat sein Gespür für die Bedürfnisse der modernen, mobilen Gesellschaft bewiesen: Der Exklusiv-Vertrieb des ersten und zweiten Apple iPhones ist ein Beispiel dafür ebenso wie die Einführung des ersten Google-Handys G1 mit dem Open Source-Betriebssystem Android auf dem US-amerikanischen Markt.

Dagegen verliert die Deutsche Telekom seit Jahren ihre Festnetzkunden. Laut Telekom-Bericht kündigten allein im dritten Quartal 574.000 Kunden ihren festen Telefonanschluss, insgesamt könnten es in diesem Jahr 2,5 bis 3 Millionen Vertragskündigungen werden. Viele Nutzer wechseln entweder zu einem Konkurrenzunternehmen oder steigen - ausgerüstet mit einer UMTS-Flatrate - ausschließlich auf das Mobiltelefon um. Lediglich im DSL-Bereich kann die Deutsche Telekom punkten: 344.000 Neukunden brachte das dritte Quartal, davon allein 50.000 Überläufer von der Konkurrenz. "Wir haben attraktive Angebote und einen verbesserten Service", begründete Obermann den Zuwachs. Stolz verwies er auf eine kürzlich erschienene Studie der Stiftung Warentest: Die Prüfer ermittelten T-Home als den besten DSL-Anbieter Deutschlands

Autor: FN