20.01.2009

Floating Phone Data soll Verkehrsinformationen ergänzen

Das US-amerikanische Unternehmen Navteq hat ein neues System zur Verkehrserfassung entwickelt. Navteq erhebt Geodaten und packt diese in digitale Karten für Navigationsgeräte. "Floating Phone Data" (FPD) heißt der neue Dienst, der das aktuelle Verkehrsprogramm TMCpro jetzt erweitern soll.

Es geht in erster Linie darum, Autofahrer vor Staus und Behinderungen auf den Straßen zu warnen. TMCpro überträgt seine Verkehrsinformationen über UKW. Bisher wurde das Programm aus vier verschiedenen Quellen gespeist, mit der neuen FPD-Technik kommt jetzt eine fünfte Datenquelle hinzu: Die Informationen ergeben sich aus den Bewegungsdaten von Handynutzern, die anonymisiert und statistisch ausgewertet werden.

FPD nutzt Bewegungsdaten von Handynutzern

Die herkömmlichen vier Informationsquellen für den Navteq-Verkehrsdienst sind Angaben von Polizei und Feuerwehr, Daten von technischen Einrichtungen wie etwa Kontaktschleifen auf den Straßen, Informationen von Infrarotsensoren an Brückenpfeilern sowie Daten, die über Kommunikationssysteme wie BMWs "Connected Drive" erzeugt werden.

"Floating Phone Data soll bisherige Verkehrsinformationsdienste um Bewegungsdaten ergänzen", erklärte Andreas Erwig, Produktmanager von Navteq im Rahmen des CeBIT-Previews gegenüber dem Online-Portal teltarif.de. "Jeder Handybenutzer bucht sich mehrfach täglich ganz unbemerkt in verschiedene Mobilfunkzellen ein. Daraus lassen sich statistische Daten ermitteln", so Erwig weiter. Zum einen wird über die Zahl der eingebuchten Handys errechnet, wie viele Personen sich ungefähr gerade innerhalb einer Mobilfunkzelle aufhalten. Dabei geht es in erster Linie um Zellen, die sich über Fahrbahnen befinden. Zusätzlich verfeinert wird die Berechnung dann durch die Auswertung der so genannten "Handover Events", der Aufenthalts- und Wechselzeiten von Handynutzern. Dabei erfasst ein Computerprogramm, wie lange ein mobiles Endgerät in einer Zelle eingebucht ist. Dieser Wert wird mit einer Statistik verglichen, im Anschluss zieht die Software Rückschlüsse auf die aktuelle Verkehrslage. Einfach gesagt bedeutet das: Wenn viele Handys lange in einer Mobilfunkzelle bleiben, der Wechsel normalerweise aber innerhalb von Sekunden erfolgt, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Stau auf der Straße.

Datenmenge zu groß für UKW

Das neue FPD-System ist zwar sehr genau, es generiert aber auch sehr große Datenmengen. Soll die Technik erfolgreich eingesetzt werden, muss ein neuer Übertragungsweg gefunden werden. "Bisher nutzen Verkehrsinformationsdienste den analogen Rundfunk über UKW zur Übertragung ihrer Daten. Doch der analoge Kanal ist nicht mehr leistungsfähig genug", erläuterte der Navteq-Manager Erwig auf der Präsentation in München. Am besten wäre laut Erwig die Nutzung von EDGE oder UMTS. Aber auch der digitale Rundfunk sei eine gute Möglichkeit, um die Informationen erfolgreich auf die Navigationsgeräte zu übertragen. Allerdings müsse das DAB-Netz noch deutlich verbessert werden, etwa durch die neuen Standards DAB+ und DMB, sagte der Produktmanager.

Navteq und andere Datenprovider sehen die Vorteile des neuen Systems, Datenschützer zeigen sich jedoch besorgt über die Technik. Immerhin würden somit die Wege von Autofahrern und Handybesitzern nachverfolgt, auch ohne das Wissen und die Zustimmung der Nutzer. Navteq sieht hingegen keinen Grund zur Besorgnis: Die erhobenen Daten würden anonymisiert noch bevor sie im Unternehmen einträfen. Ab Mitte 2009 soll die neue Technik in verschiedenen Navigationsgeräten verfügbar sein. Der Navi-Hersteller TomTom verwendet ein ähnliches System bereits seit dem Sommer 2008.

Autor: FN