20.05.2009

Das Funk-Internet kommt nicht in die Gänge

Die Freigabe von weiteren Frequenzen für drahtlose Internetverbindungen, verzögert sich weiter. Am vergangenen Freitag beschloss der Bundesrat, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. Nun soll erst wieder im Juni über eine bessere Versorgung der ländlichen Regionen mit Funk-Internet debattiert werden.

Im März hatte das Bundeskabinett beschlossen, freigewordene Fernsehfrequenzen für Mobilfunkanwendungen freizugeben. Die so genannte „Digitale Dividende“ soll für schnelle, drahtlose Internetzugänge genutzt werden und so die weißen Flecken auf der DSL-Landkarte schließen. Das wünschen sich zumindest die Bürger, die Mobilfunkbetreiber und auch Angela Merkel betont gerne die „Breitband-Offensive“ der Bundesregierung. Inzwischen wird allerdings Kritik laut, von verschiedenen Seiten: Zum einen beklagen sich die Länder, es sei noch nicht geklärt, wer die Kosten für die Umstellung trage. Vor einer Freigabe der Frequenzen sollen nun erst einmal Beratungen zwischen dem Bund und den Ländern über die Kostenfrage stattfinden.

Angst vor Störungen bei Drahtlos-Mikrofonen

Indes ist das besagte Frequenzspektrum kein Niemandsland: Andere Technologien nutzen die Funkbereiche schon lange für ihre Anwendungen. Beispielsweise senden drahtlose Mikrofone im Frequenzband 790 bis 862 Megahertz. Die kleinen Überträger kommen bei Konzerten, Sportveranstaltungen oder Fernseh-Shows zum Einsatz und sind in besagtem Spektrum bis zum Jahr 2015 angemeldet. Wie die WirtschaftsWoche jetzt berichtet, wird der Betrieb dieser Drahtlos-Mikrofone durch den Ausbau des Funkinternets auf den gleichen Frequenzen massiv beeinträchtigt. Eine Umrüstung der etwa 630.000 aktiven Mikrofone in Deutschland würde schätzungsweise weit über eine Milliarde Euro kosten, erklärt der Verband für professionelle drahtlose Produktionstechnologie (APWPT).

Beeinträchtigungen auch bei Kabel-TV

Auch die Betreiber von Kabel-TV zeigen sich misstrauisch gegenüber dem Ausbau der Digitalen Dividende mit Breitband-Internet. Erste Tests des Münchner Instituts für Rundfunktechnik haben Störungen des Fernsehbetriebs bestätigt. Wie die Forscher im Auftrag des Verbands Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA) nachwiesen, kam es zu einer Beeinträchtigung der TV-Bilder, wenn ein Funk-Internetgerät im Raum war. Störungen traten beim Testlauf sogar dann auf, wenn das mobile Internet beim Nachbarn in Betrieb war.

Streit um 2,6 GHz-Frequenz blockiert Versteigerung

Die Vergabe der ehemaligen TV-Frequenzen wird noch von einem weiteren Konflikt überschattet: Neben den Frequenzen der so genannten Digitalen Dividende soll auch das Funkspektrum von 2,6 Gigahertz in die Versteigerung aufgenommen werden. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hatte ursprünglich einen Auktionstermin für Ende 2009 bzw. Anfang 2010 anvisiert.

Inzwischen hat das Unternehmen Airdata AG aufgrund früherer Verträge Ansprüche auf die 2,6 Gigahertz-Frequenz angemeldet. Der Betreiber von drahtlosen Breitband-Internetdiensten möchte eine Verlängerung der Nutzungsrechte für das besagte Funkspektrum erreichen. Das eingeleitete Gerichtsverfahren zwischen Airdata und der Bundesregierung ist noch nicht abgeschlossen.

Autor: FN