19.06.2009

Überlastung der Breitband-Netze absehbar

Der steigende Konsum von webbasierten TV-Diensten wie Video-on-Demand oder HDTV-Streaming bringt die Breitband-Infrastruktur langsam an ihre Belastungsgrenze. Das geht aus einer aktuellen Studie der US-amerikanischen Unternehmensberatung Arthur D. Little hervor. Abhilfe kann hier nur das Verlegen neuer Glasfasernetze schaffen, betonen die Experten.

Derzeit liegt das durchschnittliche Download-Volumen bei vier Gigabyte pro Nutzer, in den nächsten 18 Monaten soll dieser Wert auf neun Gigabyte steigen, heißt es in der Little-Studie. „TV- und Video-Streaming-Dienste werden die Netze ungleich stärker auslasten als Peer-to-Peer-Services wie etwa Online Backup-Lösungen“, erklärte Karim Taga, Chef von Arthur D. Little Austria gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext.

Datenverbrauch pro Kopf wächst rasant

„Cloud-Services, die Webapplikationen zur Verwaltung von Geschäftsprozessen oder Office-Anwendungen anbieten, spielen hinsichtlich des daraus resultierenden Datenverkehrs im Vergleich dazu keine große Rolle“, betonte Taga. Vor zehn Jahren hätte eine durchschnittliche Webseite etwa 15 Kilobyte an Daten umfasst, sagte der Agenturchef. Heute liege das Datenvolumen bei 150 Kilobyte, durch die Anreicherung mit Rich-Media-Content werde es auf rund ein Megabyte ansteigen.

„Anwendungen wie Ultra HDTV und 3D-TV werden den Trend auf lange Sicht genauso verstärken wie neue Hardware Produkte“, prognostiziert Taga. Diese Dienste könnten schon 2013 Marktreife erlangen und verlangen nach einer Download-Geschwindigkeit von mehreren hundert Megabit pro Sekunde. Zudem werden Set-Top-Mediaplayer wie der "Popcorn Hour A-110" von Syabas verschiedene Internet-Dienste wie YouTube oder P2P Internet-TV schon bald auf gewöhnliche Fernsehgeräte bringen, sagte der Branchenexperte.

Neue Glasfasernetze braucht das Land

Mobiles Breitband kann die wachsenden Datenvolumina allein nicht bewältigen, sowohl aus physikalischen wie auch aus wirtschaftlichen Gründen: „Mobilfunkanbieter sehen sich mit Kosten von zwei bis vier Cent pro Megabyte konfrontiert“, erklärt Taga von Arthur D. Little Austria. „Wenn User monatlich zehn und mehr Gigabyte pro Kopf runterladen, lassen sich die derzeit bestehenden Tarifangebote keinesfalls aufrecht erhalten. Obendrein sind die zur Verfügung stehenden Frequenzspektren bald ausgereizt, so dass sich die individuell erzielbaren Datenverkehrsraten bei steigender Marktdurchdringung und wachsendem Datenverkehr sogar noch verringern würden“, betont der Unternehmensberater.

Allein neue Glasfasernetze können nach Meinung von Taga die Datenströme der Zukunft bewältigen. Der österreichische Telekommarkt nimmt eine Sonderrolle ein, Innovationen werden hier früh umgesetzt. Beispielsweise präsentierte der österreichische Anbieter von Breitband-Internet, TV- und Telefon-Services UPC vor kurzem die glasfaser-basierte Anschlusstechnologie „Fiber Power“: Die neue Technik bietet Kunden im Großraum Wien eine Performance von bis zu 100 Megabit pro Sekunde.

Autor: FN