03.07.2009

Vodafone testet Funk-Internet in Baden-Württemberg

Schnelles Internet über Mobilfunk gibt es ab sofort auch in Baden-Württemberg. Die Initiatoren des einjährigen Testprojektes sind der Mobilfunkbetreiber Vodafone und die Landesanstalt für Kommunikation (LFK). Im Rahmen des Testlaufs soll die Internet-Versorgung von ländlichen Gebieten über ehemalige Rundfunkfrequenzen erprobt werden.

Die Nutzung der so genannten Digitalen Dividende für den Internet-Betrieb wurde vom Bundesrat Mitte Juni gebilligt. Bis Mai 2010 können nun 100 Haushalte in den baden-württembergischen Gemeinden Bopfingen und Unterschneidheim über eine Funkverbindung mit maximal sieben Megabit pro Sekunde online gehen.

7 MB/s per Mobilfunk-Verbindung

Im Rahmen des Modellprojektes sollen die technische Reichweite des Funk-Internets sowie eventuelle Beeinträchtigungen beim TV-Betrieb über DVB-T und Kabelfernsehen untersucht werden. Auch die Betreiber von Funkmikrofonen zeigen sich besorgt über mögliche Störungen durch das Funk-Internet. So haben der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC) sowie der Verband der Nutzer und Hersteller drahtloser Produktionsmittel (APWPT) bereits Widerspruch gegen die vom Bundesrat gebilligte Nutzung der ehemaligen TV-Frequenzen eingelegt.

Vodafone und die LFK planen daher eine begleitende Nutzerstudie sowie Untersuchungen zur Störproblematik, am baden-württembergischen Testprojekt ist auch die Bundesnetzagentur beteiligt. Man wolle alle Seiten einbinden, betonte Vodafone: Neben den Sendenetzbetreibern werden auch Kabelnetzbetreiber, Sender sowie Mikrofonhersteller an dem Testprojekt beteiligt sein.

Jetzt ist die Bundesnetzagentur gefragt

Der Chef des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner zeigte sich ebenfalls erfreut, appellierte aber nun an die Bundesnetzagentur (BNetzA): „Die Politik hat einen wichtigen Schritt getan. Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesnetzagentur Vergaberegeln festlegt, die eine optimale Frequenznutzung für drahtlose Breitband-Versorgung ermöglichen“.

Die Unternehmen hätten sich bereit erklärt, die Frequenzen in ländlich unterversorgten Gebieten so zu verwenden, dass möglichst große Frequenzblöcke genutzt werden könnten, erklärte Grützner. So könne eine maximale Breitbandigkeit beim Endkunden erreicht werden - „dieses Ziel muss durch die BNetzA bei der Frequenzvergabe berücksichtigt werden“ , forderte der VATM-Chef.

Digitale Dividende soll Versorgungslücken schließen

Mit der Umstellung von Analog-TV auf den digitalen Standard DVB-T (Digital Video Broadcasting-Terrestrial) wurden die Funkfrequenzen von 790 Megahertz und 862 Megahertz frei. Nach der Freigabe durch die Bundesregierung können diese als „Digitale Dividende“ bezeichneten Frequenzen jetzt für die Versorgung mit Breitband-Internet per Mobilfunk genutzt werden. Die Frequenzen unterhalb von einem Gigahertz besitzen eine höhere Reichweite, so können die Netzbetreiber mit einem geringeren (Kosten-)Aufwand größere Gebiete versorgen.

Internet über ehemalige Rundfunk-Frequenzen wird derzeit auch in Mecklenburg-Vorpommern getestet: In der Gemeinde Grabowhöfe erproben der Netzbetreiber e-plus, der Ausrüster Ericsson und die Landesrundfunkzentrale die Möglichkeiten der Digitalen Dividende.

Autor: FN