06.07.2009

Breitband-Internet: Satelliten-Betreiber wollen berücksichtigt werden

Allem Anschein nach fürchten Satelliten-Betreiber beim Breitband-Ausbau in Deutschland übergangen zu werden. Man versucht sich Gehör zu verschaffen und proklamiert für die Sat-Technologie eine Schlüsselposition. Aktuell meldet sich die Astra Broadband Services (ABBS), ein Tochterunternehmen des luxemburgischen Satellitenbetreibers SES ASTRA zu Wort. Volker Leyendecker, Sales Manager der ABBS fordert: „Ohne den Internetzugang über Satellit ist ein flächendeckender Breitbandausbau in Deutschland faktisch nicht möglich. Auch die Verwendung der Digitalen Dividende für den Aufbau von Breitbandnetzen über Funkfrequenzen kann keine Vollversorgung garantieren.“

Ohne Sat-Technologie kein Breitband-Ausbau?

Blickt man auf die aktuellen Zahlen des Breitband-Atlas 2009, der von der Bundesregierung herausgegeben wird, scheint die Mobilfunktechnologie UMTS – aber vor allen Dingen HSDPA – der Satelliten-Technologie, die in früheren Jahren im Breitband-Sektor als respektable DSL-Alternative galt, deutlich den Rang abzulaufen.

Breitband-Atlas 2009

Noch vor wenigen Monaten konnte man einer Pressemitteilung des Satelliten-Betreibers Eutelsat entnehmen, dass die Bundesregierung auf die Sat-Technologie beim Breitband-Ausbau zähle: "Der führende europäische Satellitenbetreiber Eutelsat unterstützt das gestern vorgestellte Strategiepapier und Programm der Bundesregierung zur Forcierung des Breitbandausbaus in Deutschland. Darin betont die Bundesregierung den Stellenwert des Satelliten bei der Versorgung des ländlichen Raumes mit Breitbanddiensten und spricht der neuen Satellitengeneration ein großes Entwicklungspotential zu" so der genaue Wortlaut der Pressemeldung.

Wer jedoch einen Blick in den aktuellen Breitbandatlas der Regierung wirft, wird unschwer herauslesen können, dass beim zukünftigen Breitband-Ausbau DSL-freie Zonen wohl in erster Linie mit HSDPA versorgt werden sollen, das Internet via Satellit wird nur als "Lückenfüller" tituliert. Die Verfasser des Berichts schreiben: "HSDPA wird im Rahmen des Breitbandatlas als Kerntechnik eingestuft. Aufgrund seiner technischen Eigenschaften und der fallenden Preise ist die UMTS-Variante schon heute in Bereichen ohne DSL- und Kabelversorgung die interessanteste Alternative für die stationäre Internet-Nutzung. … HSDPA ist nach DSL die Breitband-Technik mit der höchsten Flächenverfügbarkeit. Der Beitrag von HSDPA zur Verringerung von Netzlücken ist höher als der aller anderen alternativen Kerntechniken zusammen."

Wie funktioniert Internet via Satellit?

Nach wie vor besteht im Breitband-Sektor die Unsitte, dass Internet via Satellit häufig als "DSL via Satellit" bezeichnet wird. Die Technologie hat mit einem DSL-Anschluss technisch keine Gemeinsamkeiten. Wohl eher aus Marketinggründen wird in diesem Zusammenhang eine Beziehung zu DSL hergestellt, um beim Verbraucher hohe Übertragungsraten zu suggerieren.

Internet via Satellit wird je nach Provider über unterschiedliche Satelliten abgewickelt: So kommt häufig ASTRA oder Eutelsat zum Einsatz. Die Übermittlung zum PC ist dabei ohne großen technischen Aufwand umzusetzen: Als Hardware wird die für den Empfang obligatorische "Schüssel" mit digitalem LNB benötigt, zusätzlich ist ein DVB-S-Receiver erforderlich.

Was die Preise anbelangt, so müssen Verbraucher für das Internet-Surfen via Satellit deutlich mehr bezahlen als für UMTS- bzw. HSDPA-Flatrate-Angebote. Eine Sat-Flat mit zwei Mbit/s kostet bei den Providern Filiago und StarDSL 79,95 Euro pro Monat. Die Telekom hat ein Angebot für satellitengestütztes Breitband-Internet von Astra mit einem maximalen Download von einem Mbit/s für 39,95 Euro pro Monat.

Autor: MN