08.08.2014

3G-Netz-Ausverkauf in Österreich

Die österreichischen Mobilfunknetze sind weitgehend in ausländischer Hand. Nach Drei und T-Mobile wurde nun auch der dritte LTE-Funknetz-Betreiber Telekom Austria von einem ausländischen Unternehmen aufgekauft. Der mexikanische Telekomkonzern América Móvil übernahm 51 Prozent des österreichischen 4G-Funknetz-Anbieters.

Foto: Uwe Schlick pixelio.de

Mobilfunk- und 3G-Datennetz-Betreiber in ausländischer Hand

Die Telekom Austria, einst der Monopolist auf dem österreichischen 3G-Datennetz-Markt, befindet sich inzwischen unter der Kontrolle des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim. T-Mobile Austria gehört zu 100 Prozent der Deutschen Telekom und Hutchison ("3") ist Eigentum des chinesischen Mischkonzerns Hutchison. Im Festnetzbereich sieht es ähnlich aus: Tele2 hat seinen Firmensitz im schwedischen Stockholm, Mitbewerber UPC ist ein Tochterunternehmen des britischen Breitbandanbieters Liberty Global.

Mexikanischer Unternehmer Carlos Slim kauft einen LTE-Mobilfunknetz-Betreiber nach dem anderen

Trotz der Marktliberalisierung hält die Telekom Austria noch immer den überwiegenden Teil der  Leitungsinfrastruktur im Boden, die für den Mobilfunk unersetzlich ist. Herr über das Telekom-Austria-3G-Netz ist nun América Móvil mit einem Anteil von 51 Prozent. Der Konzern von Carlos Slim ist in seiner mexikanischen Heimat nicht unumstritten. Slim verkauft derzeit einen Teil seines Unternehmens, um sein Quasi-Monopol vor einer neuen Gesetzgebung in Mexiko zu retten. Bisher kontrollierte Slims Unternehmen etwa 80 Prozent des Festnetz- und 70 Prozent des Mobilfunkgeschäfts in Mexiko. Slim versucht schon länger, im europäischen Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen. Nach seinem Einstieg beim niederländischen Telekomkonzern KPN wollte er dort die Macht übernehmen, scheiterte aber.

3G-Netz-Ausbau stockt

Mit der 51-Prozent-Übernahme der Telekom durch America Movil sinkt die Bedeutung der Staatsholding ÖIAG weiter. Derweil streitet die Regierung, wie es mit dem 3G-Netz-Ausbau in Österreich weitergeht. Verkehrsministerin Doris Bures von der SPÖ will eine Milliarde Euro aus der Frequenzauktion des Vorjahres für den 4G-Netz-Ausbau aufwenden und darf sich dabei über die Unterstützung der Gemeinden freuen. Allerdings will Finanzminister Michael Spindelegger von der ÖVP die Milliarde derzeit nicht hergeben.

Im internationalen Ranking fällt Österreich weiter zurück. Alleine im letzten Jahr wurde Österreich im Networked Readiness Index vom 19. auf den 22. Platz heruntergestuft. Dass die Zeiten schon mal besser waren sehen auch die Verbraucher an ihrer monatlichen Handyrechnung. Seitdem der Anbieter Orange von Hutchison übernommen wurde, haben die Preise deutlich angezogen. Selbst die EU hat sich zuletzt kritisch zur Wettbewerbssituation in Österreich geäußert.

Autor: Boe