24.03.2015

Mobilfunk liebäugelt mit 5-GHz-Band und macht Wi-Fi-Alliance nervös

Hersteller und Betreiber von Basisstationen wollen für die LTE-Erweiterung LAA das lizenzfreie 5-Gigahertz-Band nutzen, um die LTE-Bänder zu entlasten. Das Problem: Der 5-GHz-Bereich wird seit Jahren für schnelles WLAN genutzt. Da ist es kaum verwunderlich, dass die Wi-Fi-Alliance (WFA) das Vorhaben nicht für gutheißt.

WFA warnt vor übereilte Entscheidungen

Die Hersteller von Basisstationen und Smartphones suchen nach neuen Wegen, der Spektrumsknappheit zu begegnen. Einer dieser Wege soll die Nutzung des lizenzfreien 5-GHz-Bands sein. Damit soll LAA-LTE bei Bedarf von der Basis zum Gerät in den 5-GHz-Bereich verschoben werden. Somit könnten teuer lizenzierte LTE-Bänder entlastet werden.

Seit einigen Jahren wird 5 GHz aber für schnelles WLAN genutzt. Die WLAN-Industrie begrüßt das Vorhaben der Mobilfunker in keiner Weise. Die Herstellervereinigung WFA ist der Überzeugung, dass die überhastete Einführung von LAA-LTE Milliarden von WLAN-Nutzern beeinträchtigen könne, auch wenn man generell zustimme, dass "Fair Sharing" nötig sei. Weiterhin mahnt die WFA zur Kooperation, damit es keine Nachteile für 5-GHz-WLAN-Nutzer gebe.

Nur ein Bruchteil des 5-GHz-Bandes wird wirklich genutzt

Bei all den Kontroversen sollte aber nicht vergessen werden, dass die WFA einen Großteil des 5-GHz-Bandes gar nicht nutzt. So ignoriert die WFA seit Jahren in ihren Zertifizierungsanforderungen die im WLAN-Standard definierten Methoden DFS (Dynamic Frequency Selection) und TPC (Transmit Power Control). Diese Mechanismen werden von den Regulierungsbehörden vorgeschrieben, um das ganze 5-GHz-Band mit 19 Kanälen zu je 20 MHz Breite nutzen zu können. Ohne DFS/TPC dürfen WLAN-Geräte in Europa nur in den untersten vier Kanäle 36 bis 48 zum Einsatz kommen.

Doch nicht nur die WFA ignoriert DFS/TPC, sondern auch zahlreiche WLAN-Hersteller. Somit werden Zusatzkosten bei der Typprüfung eingespart. Beim letzten Test fehlte DFS/TPC bei 9 von 13 Routern.

Die Konsequenzen der jahrelangen Ignoranz

Das Fehlen von DFS/TPC bedeutet für den Nutzer, dass Router und Access Points mit dem schnellen 11ac-WLAN mit ihrem breiten 80-MHz-Signal die Kanäle 36 bis 48 komplett belegen. Nutzt ein Nachbar ebenfalls solch einen Router, müssen sich beide Nutzer die Bandbreiten teilen. Die Folge: Das schnelle WLAN ist dann gar nicht mehr so schnell.

Bei diesem beharrlichen Ignorieren der Vorschriften seitens der WFA und vieler WLAN-Hersteller ist es nicht verwunderlich, wenn der Bedarf am 5-GHz-Band nun aus anderen Bereichen angemeldet wird.

Autor: ES