30.03.2015

5G-Netz: Patent-Kriege um 5G-Standard drohen

Auf der diesjährigen CeBIT in Hannover spielt unter anderem der neue Mobilfunkstandard 5G eine wichtige Rolle. Doch während bei den Präsentationen stolz die Fortschritte demonstriert werden, brodelt es hinter den Kulissen. Telekom-Ausrüster, Netzbetreiber und Online-Firmen kämpfen um die Schlüsselposition beim zukünftigen 5G-Funknetz; es droht ein Patent-Krieg.

5G-Datennetz: Kampf um Schlüsselposition

Auf der CeBIT war der Mobilfunkstandard der Zukunft 5G das Thema. Doch 5G fordert schnelle, stabile und flexible Datennetze, die die Daten-Massen von Maschinen, Autos und Alltagstechnik händeln können. Telekom-Ausrüster, Netzbetreiber und Online-Firmen buhlen nun um die Schlüsselposition bei der Entwicklung und Realisierung des 5G-Netz-Standards.

So bauen alle Beteiligten nun Patent-Arsenale auf. Somit will man sich eine bessere Ausgangsposition schaffen. Der Chef des Telekom-Ausrüsters Huawei, Ken Hu, verkündete zum Beispiel auf dem Mobile World Congress in Barcelona, dass das Unternehmen sein Portfolio an Schutzrechten massiv ausgebaut habe.

3G-, 4G-, 5G-Mobilfunknetze: „Patentkriege gehören zum Spiel dazu“

Auch Netzbetreiber melden Patente an. "Bei 3G gab es die Konzentration der Patente bei einigen wenigen Anbietern wie Qualcomm", erklärte Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum auf der CeBIT. Das habe den Aufbau verteuert und verlangsamt. "Daraus haben wir gelernt. Diesmal sollen die Innovationen aus vielen verschiedenen Quellen kommen."

Gerhard Fettweis, Leiter des Vodafone-Lehrstuhls für mobile Kommunikation an der TU Dresden, zweifelt an einem friedlichen Prozess. "Ein Patentkrieg droht auf jeden Fall. Das gehört zum Spiel dazu", so seine Einschätzung.

Mindestens vier Jahre Forschungsarbeit zum 5G-Breitband-Netz

Trotz der drohenden Auseinandersetzungen und hohen Erwartungen an das 5G-Netz der Zukunft kann im Moment niemand sagen, wie die technischen Lösungen des neuen Standards wirklich aussehen werden. "Mindestens vier Jahre müssen wir noch ordentlich forschen", so Fettweis.

Was sicher ist: Mit 5G können die Netze unglaubliche Massen an Daten von Milliarden vernetzten Geräten umschlagen, ganz zu schweigen von den kurzen Reaktionszeiten und hohen Surfgeschwindigkeiten. Während im Telefonnetz die Latenzzeit bei 100 Millisekunden liegt, wird sie sich laut Fettweis im 5G-Funknetz auf eine Millisekunde reduzieren. Das ist auch nötig: Immerhin sollen über das 5G-Netz auch Maschinen in Echtzeit gesteuert werden.

5G-Netz kommst erst ab 2020

Autos sollen beispielsweise mit 5G in Notsituationen aus der Ferne gesteuert werden, sagte der Autoexperte des IT-Marktforschers Gartner, Thilo Koslowski. Dafür muss der Standard flächendeckend ausgebaut sein. Trotz der Netzneutralität setzen die Netzbetreiber auch auf Sicherheit. "Wir können nicht zulassen, dass die Autos ineinander knallen, weil jemand einen großen Download macht", erklärte Fettweis. Beim normalen Mobilfunknetz sei hingegen die von der Netzneutralität vorgeschriebene Gleichbehandlung aller Daten kein Problem.

Bis der Endverbraucher mit 5G surfen kann, werden aber noch Jahre vergehen. Laut Industrie sollen erste 5G-Funknetze ab 2020 in den kommerziellen Betrieb gehen.

Autor: ES