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Mobilfunk der Zukunft: Die Schlacht hat begonnen

20.02.2009

Es brodelt in der Mobilfunkbranche. Es scheint als ob die Karten im Mobilfunk-Bereich im Zuge steigender Akzeptanz mobiler Datendienste neu gemischt werden würden. Noch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit versuchen Netzbetreiber, Handy-Hersteller und Software-Entwickler seit einiger Zeit, neue Erfolgsrezepte für ihre Unternehmen zu kreieren. Denn die bisherigen Geschäftsmodelle haben ausgedient, das ist inzwischen allen in der Branche klar. Immerhin geht es um den Mobilfunkmarkt der Zukunft.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona lässt sich der Kampf - um den scheinbar neu aufgetragenen Kuchen - gut beobachten. Es sind nicht nur die Platzhirsche, wie Nokia, Apple oder Microsoft, die Internetkonzerne Google oder Yahoo, die die Generation der mobilen Surfer im Visier haben. Hinter den Kulissen ist ein Kampf entbrannt um den Nutzer von morgen, der immer und überall Zugang zu seinen Daten und dem Internet haben will. Die Strategie der Netzbetreiber, sich jahrelang beinahe ausschließlich auf den Ausbau der Netze und die Bereitstellung solider Hardware zu konzentrieren, scheint für das Massenpublikum zu wenig zu sein: Die Verbraucher wollen mit ihren Handys Mobile E-Mail und soziale Netzwerke nutzen, sie wollen mobil im Netz surfen und sich ein eigenes Dienste-Bündel auf ihrem Endgerät zusammenstellen. 

Innovationen kommen nicht von Mobilfunkbetreibern

Es sind nicht die Mobilfunker, die wesentliche Impulse für das mobile Marktgeschehen liefern, sondern diejenigen Unternehmen, die bislang mit dem Mobilfunk wenig zu tun hatten.

In erster Linie sind es Software-Entwickler, die Handygeräten und Smartphones neues Leben einhauchen, sie zu mobilen Alleskönnern werden lassen. Nicht ohne Grund orientieren sich Branchengrößen wie Nokia neu, bedienen sich der Ideenflut der Developer und stellen Online-Shops für zukünftige mobile Nomaden ins Netz. Die Mobilfunkunternehmen haben dagegen jahrelang vergebens nach "Killer-Applikationen" für Mobiles Internet gesucht. Inzwischen haben aber auch sie erkannt, dass mit dem Datentransport allein kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Wie sich neben dem klassischen Geschäft mit Mobilfunkverträgen und dem Hardware-Verkauf im mobilen Internet Geld verdienen lässt hat den Mobilfunkern (und allen anderen Marktteilnehmern) wieder einmal der Kalifornische Konzern Apple vorgemacht: Der eigens für das iPhone kreierte "App-Store" bietet seit Mitte 2008 allerlei Programme für mobile Surfer an. Inzwischen werden in Apples Handy-Shop über 20 000 Dienste angeboten, täglich kommen über hundert neue Programme hinzu. Der Konzern aus Cupertino spricht von über einer halben Milliarde Downloads.

Neue Geschäftsmodelle sollen Mobilfunkumsätze ankurbeln 

Die Big Player der Branche versuchen so schnell wie möglich den Spuren des innovativen Apfel-Konzerns zu folgen und starten ihre eigenen Online-Shops für Handy-Programme. Sowohl Nokia als auch Microsoft stellten in Barcelona ihre Verkaufsplattformen vor und erklärten ihre Geschäftsmodelle: "Rund 70 Prozent des Erlöses aus dem Ovi Store geht an den Verkäufer, 30 Prozent bekommt Nokia", so der Hardware-Chef von Nokia Kai Öistämö in Barcelona.

Microsoft wollte auf dem Mobile World Congress nicht zu viel über die Geschäftsstrategie im Zusammenhang mit dem neuen Shop verraten, genaue Infos über die prozentuale Aufteilung der Einnahmen behielt man lieber für sich. Andy Lees, der für Microsoft das Mobilfunkgeschäft betreut, sagte nur: "Microsoft erhält einen kleinen Anteil der Umsätze, die in dem künftigen Software-Kaufhaus für Windows mobile entstehen." Dennoch besteht kein Zweifel, dass es Microsoft mit seinem Engagement im Mobilfunk-Business sehr ernst meint. "Die nächsten drei Jahre entscheiden in diesem Markt darüber, was in den kommenden zehn Jahren passiert", prophezeite Lees. Microsoft geht es in diesem Zusammenhang darum, schneller zu sein als die Konkurrenz und eine Plattform für Software und Applikationen vom Desktop-PC über das Handy bis hin zur Speicherkapazität im Internet so schnell wie möglich auf dem Markt zu etablieren.

Neben den Online-Shops für Handy-Software wurden in Barcelona auch weitere zukunftsträchtige Internetdienste diskutiert und Partnerschaften geschlossen. So hat Nokia mit dem  Anbieter von Internet-Telefonie Skype eine Kooperation geschlossen. Auch über Instant Messaging, dass derzeit bei den meisten UMTS-Flatrates untersagt ist, wurde auf der Fachmesse für Mobilfunk viel diskutiert. Nach Meinung vieler Experten wird das mobile chatten in Zukunft eine große Rolle spielen. Auch Marktforscher sagen dem Instant-Messaging eine rosige Zukunft voraus: Bis 2014 werden 50 Prozent aller Mobilfunk-Kunden regelmäßig Instant Messaging auf ihrem Handy nutzen, meinen die Forscher von Gartner. Auch Social Networks MySpace und Facebook gehören zu den Hoffnungsträgern der Branche: Im Jahr 2012 sollen über 600 Millionen Menschen die  Sozialen Netzwerke von ihren Handys aus ansteuern - im Vergleich zu nur 14 Millionen vor zwei Jahren.

Mobile Internetnutzung krempelt den Mobilfunkmarkt um 

Der Mobilfunkmarkt ist in Bewegung geraten. Hersteller und Netzbetreiber agieren zuweilen Nervös. Das, was etliche seit Jahren herbeigesehnt haben – der Durchbruch beim mobilen Internet – könnte ganz schnell ohne sie stattfinden.

Denn mittlerweile scheinen alle begriffen zu haben, dass mobiles Internet längst bei den Kunden angekommen ist und dass es jetzt darum geht entsprechende Geschäftsmodelle zu etablieren. Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen werden künftig rund 70 Prozent der Handykunden in den Industrieländern täglich mobile Datendienste nutzen.

Ob die Mobilfunker das Ruder noch einmal herumreißen können oder sich den Schneid von Nokia, Google, Apple, Microsoft und Co. abkaufen lassen, wird sich im Laufe des Jahres 2009 herausstellen.

Autor: MN

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