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T-Mobile: Super-Gau im Handy-Netz

23.04.2009

Es läuft nicht rund diese Woche bei der Deutschen Telekom. Erst musste der Mutterkonzern am Montag eine Gewinnwarnung für 2009 herausgeben, was zu einem deutlichen Wertverlust der T-Aktie führte. Am Dienstag Nachmittag passierte dann der Super-Gau: Nahezu das gesamte Handy-Netz der Telekom-Tochter T-Mobile fiel aus. Die große Mehrheit der 39 Millionen T-Mobile-Kunden konnte über Stunden weder mobil telefonieren noch SMS verschicken.

Offenbar waren auch T-Mobile-Kunden im Ausland von dem Netzausfall betroffen. Von 16 bis 21 Uhr, knapp fünf Stunden also, war das komplette Netz von T-Mobile lahmgelegt. Lediglich eine kleine Zahl von T-Mobile-Nutzern konnte aus bisher ungeklärten Gründen noch mobil telefonieren. Schuld an dem Zusammenbruch war offenbar ein Software-Problem, ein feindlicher Angriff sei eher unwahrscheinlich, sagte ein Telekom-Sprecher.

Hauptsysteme und Backup-Systeme versagten

Die großen Mobilfunknetze sind in ihrer Struktur hochkomplex. Ein Komplettversagen wie der Ausfall vom vergangenen Dienstag ist sehr selten – und dürfte eigentlich nie passieren. Natürlich hat auch das T-Mobile-Netz Backup-Systeme, die in Problemfällen anspringen und den normalen Sendebetrieb aufrecht erhalten sollen. Diesmal trat aber der Albtraum eines jeden Telekommunikationstechnikers ein: Zugleich mit den Hauptsystemen versagten die Notsysteme. Hinzu kam, dass viele T-Mobile-Techniker ihrerseits auf dem Handy nicht erreichbar waren, als sie zur Problembekämpfung aus dem Feierabend gerufen werden sollten.

Wie T-Mobile inzwischen bekannt gegeben hat, lag der Fehler beim so genannten Home Location Register (HLR). Diese Datenbank ist dafür zuständig, die Mobilfunknummern zu verwalten und sie den entsprechenden SIM-Cards zuzuordnen. Darüber hinaus speichert das HLR, in welcher Mobilfunkzelle sich der Handy-Nutzer gerade befindet. Versagt diese Datenbank, dann erkennt das Mobilfunknetz die eigenen SIM-Karten nicht mehr und kann auch nicht mehr feststellen, wo sich der Kunde gerade aufhält. Insgesamt sollen drei Datenbanken von T-Mobile betroffen gewesen sein. „In der Tat waren die Server betroffen, die das Gedächtnis eines Mobilfunknetzes darstellen, die wissen, wo sich unsere Kunden aufhalten und so erst mobiles Telefonieren möglich machen“, erklärte Georg Pölzl, Chef von T-Mobile Deutschland am Mittwoch im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Hier sei im vergangenen Jahr ein neues System installiert worden, sagte Pölzl weiter. T-Mobile werde den Vorfall weiter genau analysieren, ein solcher Fehler dürfe nicht vorkommen.

Kostenloser SMS-Versand am Sonntag

Seit Dienstag Nacht funktioniert das T-Mobile-Netz wieder in gewohnter Qualität. Beim größten deutschen Mobilfunkanbieter ist man jetzt um Schadensbegrenzung bemüht. Unternehmenschef Pölzl entschuldigte sich im Morgenmagazin bei den Kunden und machte ihnen ein Angebot, quasi als Geste der Wiedergutmachung: Am kommenden Sonntag, den 26. April dürfen Standard-SMS in alle deutschen Netze umsonst verschickt werden. Schadensersatzforderungen lehnt die Telekom-Tochter hingegen ab. „Unsere AGB schließen solche Forderungen aus“, betonte Telekom-Sprecher Dirk Wende, wenngleich man Einzelfälle prüfen wolle. Für konkrete Anfragen könnten sich die Kunden an die Servicenummer 2202 wenden.

Inzwischen fordert auch die Bundesnetzagentur eine lückenlose Aufklärung des Netzausfalls. „Es ist gesetzlich geregelt, dass die Telekommunikationsanbieter ein Konzept haben müssen, wie sie die Sicherheit des Netzes gewährleisten“, kritisierte ein Sprecher der Behörde. Die große Politik in der Hauptstadt zeigte sich von dem bundesweiten Netzversagen indes wenig beeindruckt: Angela Merkel, die sich gerne per SMS über aktuelle Vorgänge informieren lässt, war jedenfalls nicht betroffen. „Die Kanzlerin ist jederzeit erreichbar“, erklärte ein Regierungssprecher. Im Falle eines technischen Problems werde umgehend eine Ersatzlösung gefunden. Welches Mobilfunknetz Merkel benutzt, wurde nicht bekannt gegeben.

Autor: FN

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