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Rundfunk und Mobilfunk streiten um TV-Frequenzen

16.09.2008

Der Streit um die frei gewordenen Rundfunk-Frequenzen geht in die nächste Runde. Die Bundesnetzagentur hat einen Entwurf veröffentlicht, der eine Verwendung der alten TV-Frequenzen für die Internetnutzung vorschlägt. Nun regt sich heftiger Widerstand beim öffentlich-rechtliche Rundfunk: Zum einen werden erhebliche Störungen des terrestrischen Digitalfernsehens (DVB-T) befürchtet, zum anderen möchte man die Kanäle selbst nutzen. 

Die Neuordnung der Bundesnetzagentur sieht vor, dass der Rundfunk die Kanäle 61 bis 69 vollständig räumt. Außerdem sollen die von DVB-T genutzten Kanäle 21 bis 60 zusätzlich für den drahtlosen Internetzugang freigegeben werden. Der Rundfunk hatte in der Vergangenheit bereits Frequenzen für Handy-Fernsehen über DVB-H abgegeben. Dementsprechend stößt der Entwurf zur Frequenzverteilung auf wenig Gegenliebe bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

ARD befürchtet Störung des Fernsehempfangs

"Die Kanäle 61 bis 69 werden für eine verbraucherfreundliche Ausgestaltung der notwendigen Modernisierung des digitalen Antennenfernsehens benötigt", betont der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. Ein weiteres Problem sieht die ARD in der Tatsache, dass der Fernsehempfang durch drahtlose Internettechniken wie WiMAX empfindlich gestört werden kann. Herbert Tillmann, Vorsitzender der Technikkommission von ARD, ZDF und Deutschlandradio bestätigt diese Befürchtungen in einem Interview mit dem "Digitalmagazin": "Nachdem die Terminals für die Internetanbindung sowohl als Empfänger wie auch als Sender fungieren werden, sind erhebliche Störungen sowohl des DVB-T-Empfangs als auch anderer Rundfunkdienste, Stichwort digitales Kabel, zu erwarten".

Eine nachbarschaftliche Nutzung der Frequenzen wäre nur dann unproblematisch, wenn zwischen den Kanälen für DVB-T und Drahtlos-Internet so genannte Guardbands eingerichtet würden, die einen Schutzabstand garantieren, erklärt Tillmann.

Füllt die digitale Dividende die Breitband-Löcher?

Hintergrund der Auseinandersetzung um die digitale Dividende ist die flächendeckende Versorgung der Bundesrepublik mit Breitband-Internet. Nach wie vor ist die Anbindung der ländlichen Regionen an das schnelle Internet nicht optimal. Die großen Netzbetreiber haben wiederholt darauf hingewiesen, sie könnten eine flächendeckende Versorgung mittels der frei gewordenen TV-Frequenzen gut umsetzen.

Der Rundfunkexperte Tillmann dagegen spricht von einer "Scheindebatte" die hier geführt werde. Er beruft sich auf aktuelle Zahlen der Bundesregierung, wonach "mittlerweile über 98 Prozent aller deutschen Haushalte" einen Breitbandzugang hätten. Über 70 Prozent davon könnten auf "eine Übertragungsrate von mindestens 2 Mbit/s" zurückgreifen, so Tillmann. Man sollte die Debatte versachlichen und die Dinge beim Namen nennen, fordert der Experte. "Das wäre dann eine Basis, auf der man gemeinsam aufsetzen könnte".

Auch sein Kollege Fritz Raff von der ARD hält die Nutzbarkeit der Fernsehfrequenzen "für fraglich", der Entwurf der Bundesnetzagentur sei auf Drängen der Telekommunikationslobby zustande gekommen. "Das Entwicklungspotenzial des terrestrischen Rundfunks für die gesamte Bevölkerung darf nicht aufgrund unbewiesener Geschäftsmodelle zugunsten einzelner Industrieinteressen leichtfertig geopfert werden", warnt der ARD-Vorsitzende.

Autor: FN

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