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SimoBIT: Mobile Lösungen fehlen noch im Geschäftsalltag
19.12.2008
Die mobile Internet-Nutzung wird bei uns zwar zunehmend beliebter, dennoch sind die Rahmenbedingungen in Deutschland noch nicht so gut wie in anderen Ländern. Gerade in den Bereichen Telemedizin, öffentliche Verwaltung, Maschinenbau und bei mittelständischen Unternehmen könnten weitaus mehr mobile Anwendungen eingesetzt werden.
Was sind die Gründe für die zögerliche Einführung von mobilen Lösungen? Wie könnten Anreize für innovative Applikationen geschaffen werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Experten auf dem SimoBIT-Kongress, der letzte Woche in Berlin stattfand. Die Initiative "Sichere Anwendungen der mobilen Informationstechnik zur Wertschöpfungssteigerung in Wirtschaft und Verwaltung" (SimoBIT) engagiert sich seit 2005 für nachhaltige mobile Anwendungen in der Geschäftswelt.
Beispiel Telemedizin: Handy statt Hausarzt?
Das mobile Internet kann erheblich dazu beitragen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, die Qualität zu steigern und Kosten einzusparen. Beispielsweise können Anwendungen im Gesundheitswesen den zeit- und kostenintensiven Hausarztbesuch ersetzen: Telemedizin hilft bei der Überwachung von Patienten mit chronischen Herzerkrankungen, Asthma oder Diabetes. Die Betroffenen können ihre Werte zuhause selbst kontrollieren und die Ergebnisse via Mobilfunk an ein telemedizinisches Zentrum schicken. Dort werden die Werte diagnostiziert und an den zuständigen Arzt weitergeleitet.
Dieses System hat mehrere Vorteile: nicht jede Klinik muss eine Station für die Betreuung chronisch kranker Patienten aufbauen; die Betroffenen können in ihrer gewohnten Umgebung bleiben; ein Hausarzt, der inzwischen nur noch einen Hausbesuch pro Quartal abrechnen darf, kann bis zu 20 Besuche einsparen – und weiß den Patienten dennoch gut versorgt. Schließlich kann die Telemedizin auch dem wachsenden Mangel an Allgemeinärzten, gerade in ländlichen Gebieten entgegenwirken. Trotzdem ist die Skepsis beim medizinischen Fachpersonal noch groß gegenüber der Effektivität von mobilen Lösungen im Gesundheitswesen.
Mobile Anwendungen: Misstrauen und zu hohe Gebühren
In anderen Geschäftsbereichen gebe es ähnliche Probleme, betonten die Experten auf dem SimoBIT-Kongress: Deutsche Firmen könnten beispielsweise ohne eine Zustimmung des Betriebsrates keine „Unified Communications“-Lösungen einführen (UC). Mittels UC werden alle Kommunikationsbereiche einer Firma zu einem System verbunden. Das ist effektiv und spart Kosten sowie Arbeitszeit. Kritiker hingegen befürchten eine totale Überwachung der Mitarbeiter.
Neben dem Misstrauen in die technologischen Möglichkeiten wird der Einsatz mobiler Geschäftsanwendungen in Deutschland aber vor allem durch die teuren Nutzungsgebühren gehemmt. Nach wie vor sind die Preise für die Datenübertragung im mobilen Internet relativ hoch, auch wenn „ständig daran gearbeitet werde, den Rechnungsschock zu verkleinern“, wie Alexander Saul vom Geschäftskundenbereich bei Vodafone versicherte. Die Datennutzung in Deutschland verdoppelt sich laut Saul etwa alle sechs Monate. Durch gezielte Investitionen will WIK-Consult, das Begleitforschungskonsortium der Initiative SimoBIT, die Einführung mobiler Anwendungen in Deutschland fördern: Zwischen 2007 und 2011 werden zwölf Verbundprojekte mit rund 30 Millionen Euro unterstützt. Die beteiligten 60 Partner bringen noch einmal die gleiche Summe ein. Dabei handelt es sich um Projekte aus den Bereichen Gesundheitswesen, Maschinenbau, öffentliche Verwaltung, Handwerk und Mittelstand.
Autor: FN
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