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Telekom-Chef: „Mobiles Internet ist unser Schwerpunkt“

28.07.2010

Die Ausbreitung des mobilen Internets ist für die Telekom in nächster Zeit der strategische Schwerpunkt. Und dabei will das Unternehmen auch neue Einnahmequellen anzapfen.

In den „Geschäftsmodellen der Zukunft“ sollen die Anbieter datenintensiver Inhalte - wie Google oder Apple - an die Netzbetreiber - wie T-Mobile - zahlen. So erklärt Telekom-Chef René Obermann in einem Interview mit der Zeitschrift „Manager Magazin“.

„Kostenpflichtiges Netz“

„Ein gut gemachtes Netzangebot ist am Ende auch kostenpflichtig“ sagte Obermann dem Wirtschaftsmagazin. Wenn sein Unternehmen besondere Netzsicherheit oder „höchste Übertragungsqualität für Musik oder Videos“ biete, „muss das auch differenziert bepreist werden“. Nähere Angaben darüber ob und in welcher Form sein Unternehmen darüber schon mit Google oder Apple verhandelt machte Obermann nicht: Die Diskussionen zwischen Netzbetreibern und Dienste-Anbietern seien angestoßen, so der Telekom-Chef.

Im mobilen Internet wuchs der Telekom-Umsatz im Jahr 2009 in Deutschland um vierzig Prozent, weltweit machte die Telekom 2009 vier Milliarden Euro Umsatz in diesem Geschäftszweig, so Obermann. Gerade in Osteuropa werde das mobile Internet besonders stark wachsen, weil es hier nur ein schwaches Festnetz gebe. Auch davon werde sein Unternehmen profitieren. 

Streit um Netzneutralität

Obermann hat damit in einer seit langem laufenden politischen und wirtschaftlichen Debatte, dem Streit um die so genannte „Netzneutralität“, erneut klar Stellung bezogen. Nach dem Grundsatz der Netzneutralität müssen die Anbieter von Zugängen ins Internet  - wie beispielsweise die Anbieter von DSL-Anschlüssen oder die Mobilfunkbetreiber mit schnellen Datenfunknetzen (auf Englisch auch access provider genannt) - die im Internet veröffentlichten Angebote gleichberechtigt und unverändert übertragen. Dagegen wollen einige Netzbetreiber selbst bestimmen, wer ihre Netze nutzen darf. Sie wollen außerdem von bestimmten Internet-Diensten Gebühren verlangen, die von den Anbietern dieser Dienste - wie beispielsweise Google oder Apple – zu zahlen wären.

Hintergrund dieser Auseinandersetzung, die vor allem im Bereich des mobilen Internet geführt wird, sind die hohen Investitionen der Mobilfunkbetreiber  in die neuen Datenfunk-Netze, der harte Wettbewerb am Markt mit immer neuen Billigtarifen für mobiles Internet-Surfen und die prinzipiell beschränkte Kapazität der bestehenden Datenfunknetze bei immer größeren Datenmengen. Mobilfunkbetreiber fordern seit geraumer Zeit, dass Unternehmen wie Google auch zahlen, wenn sie mit ihren mobilen Anwendungen so viel Geld verdienen. Google dagegen erklärte bislang, dass nur wegen dieser Anwendungen die Menschen das mobile Internet so intensiv nutzen und die Datentarife von Netzbetreibern wie T-Mobile buchen.

Bislang treten sowohl die schwarz-gelbe Regierungskoalition in Deutschland als auch die Europäische Union für die Wahrung der Netzneutralität ein. 

René Obermann

René Obermann ist seit November 2006 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG. Der im März 1963 in Düsseldorf geborene Obermann machte ab 1984 eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der BMW AG in München und gründete dann 1986 ein eigenes Handelsunternehmen, die ABC Telekom mit Sitz in Münster. Die daraus entstandene Hutchison Mobilfunk GmbH führte Obermann von 1991 an als Geschäftsführender Gesellschafter, von 1994 bis 1998 war er Vorsitzender der Geschäftsführung.

1998 ging Obermann als Geschäftsführer Vertrieb zur T-Mobile Deutschland GmbH. Im April 2000 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung und ein Jahr später Vorstand für European Operations and Group Synergies der T-Mobile International AG & Co. KG.

Von 2002 bis Dezember 2006 war Obermann sowohl Vorstandsvorsitzender der T-Mobile International AG & Co. KG als auch Vorstand für den Bereich Mobilfunk im Telekom-Konzern. In dieser Zeit wurde die Marke T-Mobile in elf Ländern eingeführt.

Autor: ET

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